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Kein Schmerzensgeld für zu spät gestellte Diagnose

30.04.2015 – 12_15_VersREine um drei Tage verzögerte Diagnose eines Hirninfarkts rechtfertigt für sich genommen kein Schmerzensgeld, wenn nicht festgestellt werden kann, dass es in dieser Zeit zu weiteren Schäden – insbesondere zu weiteren Schlaganfällen – gekommen ist oder die bestehenden Beschwerden durch gezielte Maßnahmen hätten abgemildert werden können. Die verzögert erlangte Kenntnis über die Ursache der Beschwerden ist für sich kein schmerzensgeldrelevanter Umstand.

Das hat jüngst das OLG Köln (Az.: 5 U 119/11) festgestellt. Zunächst war einem Mann 3.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen worden, da sein Hausarzt zunächst einen Schlaganfall nicht diagnostiziert hatte. Erst drei Tage nach der Erstdiagnose ließ der Arzt weitere Untersuchungen folgen, die zur richtigen Behandlung führten.

Das OLG Köln hat nun der Berufung des Arztes stattgegeben:

Die zur Beweislastumkehr führende fundamentale Verkennung eines eindeutigen Krankheitsbildes scheidet aus, wenn es sich um einen Hirninfarkt im hinteren Strombereich handelt, der klinisch schwierig zu diagnostizieren ist, bei dem die Symptome untypisch und nicht konstant sind, und bei dem die Verwechslung mit einem HWS-Syndrom nicht fernliegt.

Um einen einfachen Diagnosefehler, nicht aber um einen Befunderhebungsfehler handelt es sich, wenn ein Arzt die vom Patienten geschilderten Beschwerden – letztlich nicht mehr vertretbar – ausschließlich einem HWS-Syndrom zuordnet und deshalb folgerichtig der Frage eines möglichen Schlaganfalls differenzialdiagnostisch nicht weiter nachgeht. (vwh/ku)

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Urteil. Keine Beweislastumkehr bei einem infolge eines Diagnosefehlers nicht erkannten Hirninfarkt, in: VersR 12/15 (Einzelartikel zu 7,97 Euro)

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