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ITA sieht “Frontalangriff auf die Lebensversicherung”

04.06.2014 – ita_logo_150Der vom Bundesministerium der Finanzen vorgelegte Entwurf des Lebensversicherungsreformgesetzes sieht drastische Veränderungen für die Lebensversicherung vor. Diese könnten sich zum Teil für Gesetzgeber und Versicherte als Bumerang erweisen. Auch für Vermittler sollen neue Zeiten anbrechen: Sie sollen künftig ihre Provisionen offenlegen. Wie dies in der Praxis geschehen soll, bleibt unklar, schreibt das in Berlin ansässige Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Der Entwurf eines Gesetzes zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte liest sich streckenweise wie eine Kampfansage an die Lebensversicherung. Die Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,75 auf 1,25 Prozent erscheint vor dem Hintergrund der länger andauernden Niedrigzinsphase sinnvoll, so das ITA und weiter: Für die Versicherer und deren Aktionäre hätte die ebenfalls vorgesehene Ausschüttungssperre drastische Folgen: Bei einem bestehenden Sicherungsbedarf dürften keine Dividenden mehr ausgezahlt werden. Damit würden Investitionen in Lebensversicherer uninteressant. Deren Finanzierung würde erheblich erschwert. Dies könnte den Rückzug einiger Lebensversicherer vom Markt bewirken. Überlegungen von Vorständen, das Neugeschäft einzustellen und die Gesellschaft in den sogenannten Run-off zu schicken, könnten beschleunigt werden. [...]

Auch für die Vermittler brechen neue Zeiten an. Der Höchstzillmersatz soll von 40 auf 25 Promille gesenkt werden. Damit sinken aber nicht zwangsläufig die Abschlussprovisionen. Es wird nur schwieriger für Versicherer, hohe Abschlussprovisionen zu zahlen, da diese überwiegend aus laufenden Beiträgen finanziert werden müssen. Es wird ein Geschacher um die höchsten Abschlussprovisionen einsetzen. Versicherer werden ausloten, wie viel sie ihren Vertrieben als einmalige Abschlussprovisionen zahlen können. Wenn dann ab 1. Januar 2015 bekannt ist, was die anderen Versicherer zahlen, wird sich der Markt wie bisher vermutlich auf dem höchsten Provisionsniveau einpendeln. Damit würde die Regelung leider ins Gegenteil verkehrt. Sinnvoller wäre eine gesetzliche Obergrenze für die kalkulatorischen Abschlusskosten. [...]

Eine Regelung dürfte vielen Vermittlern Bauchschmerzen bereiten: Die Abschlussprovision muss gegenüber Kunden ausgewiesen und dokumentiert werden, und zwar als Gesamtbetrag in Euro. Damit soll Vergütungstransparenz hergestellt und der Weg zur Honorarberatung geebnet werden. Eine wesentliche Frage bleibt (Beispiel): Muss der Vermittler die 20 Promille Provision ausweisen, die er selbst erhält, oder die 60 Promille, die seine Vertriebsorganisation erhält? Es versteht sich von selbst, dass diese Regelung nur dann Sinn macht, wenn die höhere Provision an die Vertriebsorganisation ausgewiesen wird.

Wem nützen und schaden die neuen Regelungen? Freuen können sich alle Versicherten, die noch viele Jahre versichert bleiben. Jetzt ausscheidende Kunden bekommen zugunsten der bleibenden Kunden weniger ausgezahlt. Profitieren werden Produktanbieter, die von diesen Regelungen nicht betroffen sind, zum Beispiel Fondsgesellschaften. Vermittler, die schon heute offen und fair mit ihren Kunden umgehen, können sich behaupten. Dagegen sind die neuen Regelungen eine Kampfansage an Vermittler, denen ihr eigener Verdienst wichtiger ist als das Kundeninteresse. Lebensversicherer, die als Aktiengesellschaft organisiert sind und die schon finanziell schwach aufgestellt sind, könnten schneller in den Run-off gehen als bisher.  (vwh)

Links: Frontalangriff auf die Lebensversicherung (PDF), ITA Website

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