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Zarte Investitionspflanze soll starker Baum werden

20.11.2015 – GiegoldWie lassen sich mit grünen Geldanlagen Natur und Klima schützen und gute Renditen erzielen? “Nachhaltiges Investment kann einen Beitrag leisten zu einer Wirtschaft, die Natur, soziale Rechte und gute Unternehmensführung in Einklang bringen. Mit unserer Initiative wollen wir ausloten, wie in den EU-Mitgliedstaaten ökologisch und sozial nachhaltiges Investment erfolgreich angekurbelt werden kann”, meint Sven Giegold.

Der Europaabgeordnete der Grünen sieht für die Versicherungswirtschaft als dem größten institutionellen Investor in Europa beste Voraussetzungen, um in den Bereichen Energieinfrastrukturen und Ausbau der Erneuerbaren künftig stärker zu investieren. Hinzu komme, dass auf europäischer Ebene für ein stärkeres Engagement der Assekuranz derzeit günstige Rahmenbedingungen sich abzeichneten.

Die projektierte Kapitalmarktunion, die Stärkung der Einrichtungen zur betrieblichen Altersversorgung, der von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angestoßene Europäische Investitionsfonds und die angestrebten einheitlichen Regelungen durch die PRIIPs, bereiteten auf EU-Ebene den Boden für ein nachhaltiges und grünes Investment in der Zukunft.

Ermutigende Ansätze für nachhaltiges Investment gebe es bereits in einigen Staaten, betont Giegold auf der gestrigen “Konferenz zu ökologisch und sozial nachhaltigem Investment” der Grünen im Europaparlament. Derzeit kommen auf EU-Ebene mehrere Initiativen in Gang, die das Potenzial haben durch aktuelle Gesetzesreformen nachhaltige Investitionen zu fördern.

“Steuerbegünstigungen für Verbraucherinvestitionen in ausgewiesene grüne Fonds stellen ein Hauptstimulanz für Bürger in den Niederlanden dar, in Nachhaltigkeit zu investieren”, erklärte Frank Wagemans von VBDO. Pensionsfonds seien gehalten, ihre Investitionspraxis offenzulegen und seien somit davor gefeit, in spekulative Produkte zu investieren. Um die zarten Pflanzen grünen Investments zu einem kräftigen Baum der europäischen Wirtschaft anwachsen zu lassen, bedürfe es jedoch umfassender und verständlicher Informationen für den Verbraucher. Das Interesse von Privatanlegern wächst nach Angaben von Wagemans um jährlich fünf Prozent. Um das grüne Investitionspotential zu beflügeln bedürfe es nach Ansicht von Wagemans einer europäischen Standardisierung nachhaltiger grüner Finanzprodukte und einer zuverlässigen europäischen Aufsicht.

Als Haupthindernis für ein stärkeres Engagement von Banken und Investoren in nachhaltige und soziale Projekte sieht Antje Schneeweiß vom Wirtschaftsinstitut Südwind die mangelnde Transparenz von Green Bonds. “Es gibt ein erhebliches Defizit über die Besonderheiten von Grünen Bonds”. Durch eine behutsame gesetzliche Regelung an den Finanzmärkten in Europa könnten die Rahmenbedingungen und das Vertrauen von privaten und institutionellen Anlegern verbessert werden.

Auch für Christian Klein vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Kassel gibt es noch eine Reihe von administrativen und gesetzlichen Hindernissen auszuräumen, um grünem nachhaltigem Investment zum Durchbruch zu verhelfen. Für Klein warten die Niederlande mit guten Beispielen auf. Sustainable and Responsible Investments (SRI) beispielsweise in Projekte Erneuerbarer Energien oder dem Organischem Landbau würden im Nachbarstaat von konventionellen Banken angeboten und vom Staat überwacht. Die im Schnitt ein Prozent unter dem Durchschnitt von konventionellen Anlageprodukten liegenden Renditen würden durch Steuervorteile wettgemacht.

Giegold: “Der Markt für nachhaltige Investments wächst jedes Jahr enorm”. Immer mehr private und institutionelle Investoren seien bereit, durch eine gezielte Auswahl von ökologischen und sozialen Kriterien eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung zum Maßstab ihres Geschäftsgebahrens zu machen”. Die Finanzmarktgesetzgebung der EU müsse diesem Anliegen in Zukunft stärker Rechnung tragen. (taf)

Bild: Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament. (Quelle: Sven Giegold)

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