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Infoblätter im Transparenzcheck – Vorsätzlich verworren?

28.10.2014 – ortmann_ita_150Die Produktinformationsblätter mancher Versicherer und vor allem manche Allgemeinen Versicherungsbedingungen erinnern gelegentlich an die Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel. Böse Zungen behaupten, dahinter stecke Absicht. Was ist dran an „vorsätzlich verworren“, wie viel Transparenz können und wollen Versicherer für ihre Kunden wirklich? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich gestern Abend der Goslar Diskurs in Köln beschäftigt. Dr. Mark Ortmann vom Institut für Transparenz Berlin antwortet auf die Frage von VWheute, wie geht Transparenz?

Mark Ortmann: Stellen Sie sich eine alte Stereoanlage vor. Und nun die vielen Anschlüsse auf der Rückseite. Wie lange haben Sie früher gebraucht, um Ihre Stereoanlage anzuschließen und zum Beispiel mit dem Fernseher zu verbinden? Heute nehmen Sie Ihr Smartphone und steuern Ihre Musik über eine App. Ohne Kabel. Installationszeit 5 Minuten. So kann Einfachheit und Verständlichkeit, also Transparenz, das Leben erleichtern.

Auf Versicherungen übertragen bedeutet dies: Alle Informationen sollten leicht zugänglich und übersichtlich gestaltet sein. Die Produkteigenschaften sollten einfach dargestellt werden. Dazu ist eine einfache und verständliche Sprache erforderlich. Und schließlich sollte tabula rasa bei den Kosten gemacht werden, indem alle Kosten offengelegt werden. Der Kunde muss Produkte anhand der Effektivkosten vergleichen können, ähnlich wie man Darlehen anhand des effektiven Jahreszinses vergleichen kann.

VWheute: Bieten Anbieter Transparenz?

Kurzum: Nein. Im November 2013 wurden 140 Dokumente von 44 Versicherern auf ihre Verständlichkeit untersucht. Die geprüften Dokumente waren Allgemeine Versicherungsbedingungen, Produktinformationsblätter, Werbemittel und FAQ im Internet. Von diesen Dokumenten waren über die Hälfte schwer verständlich bis unverständlich. Auch unsere regelmäßigen Untersuchungen der Produktinformationsblätter zeigen, dass es zum Teil erhebliche Transparenzdefizite gibt. Aber einige Anbieter haben mittlerweile verstanden und sind auf dem Weg. Es tut sich etwas in der Branche. Bleibt nur die Frage, ob der Gesinnungswandel noch rechtzeitig kommt, denn es geht sehr langsam vorwärts.

Warum brauchen wir Transparenz?

Transparenz schafft erst die Voraussetzung für Wettbewerb. Ohne Transparenz können Kunden keine informierte Entscheidung treffen. Teure und schlechte Produkte können nicht aus dem Markt ausscheiden. Rechtlich ist Transparenz Wirksamkeitsvoraussetzung für Bedingungen. Unverständliche Klauseln sind unwirksam. Und schließlich schafft Transparenz Vertrauen. Kunden sind es satt, ständig das Gefühl zu haben, über den Tisch gezogen zu werden. Aus diesen drei Gründen ist Transparenz unerlässlich. (vwh)

Bild: Mark Ortmann, Geschäftsführer ITA Institut für Transparenz. (Quelle: ITA)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Link: Vorsätzlich verworren?

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