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Hochwasserschutz in Köln: Elementare Schritte zum Erfolgskonzept

24.07.2014 – VogtDer erste Elementarschaden wird bedingungslos reguliert, der Elementarschutz bleibt aber nur weiter bestehen, wenn der Eigentümer die Aufgabenliste des Versicherers abarbeitet. Reinhard Vogt, Leiter der Hochwasserschutzzentrale in Köln, kann sich so die Zukunft des Elementarschutzes vorstellen.

Das Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln hat Vorbildcharakter. Reinhard Vogt, der auch Geschäftsführer des Hochwasser Kompetenz Centrums ist, erläutert gerne die Vorteile einer ganzheitlichen Arbeit. Er vertritt mit seinen Mitarbeitern die Kölner Anliegen auf kommunaler, überregionaler und internationaler Ebene. „Selbst der Schutz vor einem 200-jährigen Hochwasser bietet keine absolute Sicherheit“, stellt er zunächst klar. Er bevorzuge nicht-bauliche Maßnahmen. Das bedeutet, Bebauung in Hochrisikogebieten möglichst vermeiden. In der Praxis lässt sich das so häufig nicht mehr halten.

Deswegen wurden in Köln in den vergangenen 18 Jahren rund 430 Mio. Euro investiert – 60 Prozent aus Landesmitteln. Elf Kilometer mobile Schutzwände sind das technische Prunkstück. „Wegen des großen logistischen Aufwandes, würde ich das so nicht mehr machen“, gibt er zu. Deiche, Pumpwerke, Sicherungen des Kanalnetzes sind weitere ober- bzw. unterirdische Maßnahmen. Große regulierte Rückhaltebecken, mit denen insgesamt 4,5 Millionen Kubikmeter Wasser in Schach gehalten werden können, gehören dazu.
Doch was noch macht das Modell Köln zum Erfolgsmodell, dessen Details Vogt in Vorträgen – gestern Abend in Halle – bundesweit vorstellt? „Wir haben gleich die Bürger mitgenommen. Dass dies gut so war, zeigt allein die Tatsache, dass wir bei der Umsetzung der Maßnahmen uns nicht mit einer Klage auseinandersetzen mussten“, sagt er. In Köln gibt es elf Bürgerinitiativen, mit einer arbeite man besonders eng zusammen. Vogt war von Anfang an dabei, arbeitet seit 1977 bereits im städtischen Hochwasserschutz: „In Köln haben wir so weit ich weiß das einzige Hochwasserzentrum, das auch präventiv arbeitet – nicht nur im Krisenfall“, ergänzt er.

Mit dem GDV hat Vogt den Hochwasserpass entwickelt, den dieser finanziert hat. Damit dieser Erfolg hat, müssten unbedingt die Kosten gedeckelt werden. Hier sieht Vogt die Politik in der Verantwortung. Denn, wenn es zu teuer wird, würden die Leute sofort wieder abspringen. „Der Hochwasserpass verringert den Schaden schon insoweit, dass sich Hausbesitzer überhaupt mit dem Thema Hochwasserschutz befassen.“
Bewusstsein schaffen, ist ein weiteres zentrales Anliegen des Kölner Modells: Mit einem Infomobil ist man bundesweit unterwegs, mit den Niederlanden und dem Land Baden-Württemberg hat die Stadt Köln, nicht etwa die Landesregierung, ein Flutinformation- und Warnsystem entwickelt.

Die gesamten baulichen Maßnahmen, die Einrichtung einer Hochwasserschutzzentrale, die Herausgabe neuer Hochwassergefahren- und Risikokarten und die Initiativen zur Sensibilisierung haben mit dazu beigetragen, dass Köln vor 20 Jahren zuletzt von einer Überschwemmung heimgesucht wurde. Mit den Investitionen von einer knappen halben Milliarde, so Vogt, habe man sicher Milliardenschäden verhindern können. Das seien nur bauliche Schäden, Betriebsausfälle bei Industrie und Gewerbe ausgenommen. (ku)

Foto: Reinhard Vogt bringt mehr als 35 Jahre Erfahrungen im Hochwasserschutz mit. (Quelle: Hochwasser Kompetenz Centrum)

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