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Hildegard Müller: “Energiemarkt funktioniert nicht mehr”

02.10.2014 – hildegard_mueller_150Die Mahnung des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW), dass wegen Unrentabilität bis zu 50 Kraftwerke in Deutschland vom Netz genommen werden könnten, hat die Politik in Aufregung versetzt. Im Interview mit VWheute spricht die Geschäftsführerin des BDEW, Hildegard Müller, über mögliche Konsequenzen und politische Forderungen.

VWheute: Worin liegt die gesunkene Rentabilität der für eine Abschaltung in Frage kommenden Kraftwerke begründet?

Müller: Der Energiemarkt in Deutschland funktioniert in seiner jetzigen Form nicht mehr. Die schwierige wirtschaftliche Lage der Kraftwerke gefährdet zunehmend die Versorgungssicherheit mit Strom. Dies liegt insbesondere am Ausbau der Erneuerbaren Energien, der die Einsatzzeiten für die konventionellen Kraftwerke immer kürzer werden lässt. Die Erneuerbaren Energien können derzeit noch keine Systemverantwortung übernehmen.

Wie stabil ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nach einem Abschalten der 50 Kraftwerke?

Bevor Kraftwerke überhaupt vom Netz gehen können, müssen die Betreiber ein Jahr im Voraus einen Antrag stellen. Dies zeigt schon, wie stark in den Markt eingegriffen wird. Das hat nichts mehr mit Wettbewerb zu tun. Die Bundesnetzagentur prüft dann, welche Kraftwerke systemrelevant sind. Gegen einen Preis, der von der Behörde bestimmt wird, bleiben diese Anlagen in Betrieb. Unabhängig davon zeigt die aktuelle Situation ganz klar, dass sich die Lage auf dem konventionellen Kraftwerksmarkt immer weiter zuspitzt. Fakt ist: Wir brauchen gesicherte Leistung. Das bedeutet, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssen konventionelle Kraftwerke einspringen. Denn die notwendigen, großen Speicherlösungen gibt es heute noch nicht. Es geht in erster Linie um die Versorgungssicherheit des Wirtschaftsstandorts Deutschland, aber auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen. Für die Energiebranche steht daher die marktorientierte und effiziente Weiterentwicklung des konventionellen Kraftwerksmarkts ganz oben auf der Prioritätenliste.

Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um die Lage zu stabilisieren?

Wenn wir die Energiewende einerseits erfolgreich meistern wollen und dabei gleichzeitig eine Energieversorgung rund um die Uhr sicher stellen wollen, dann muss die Politik endlich handeln. Wir brauchen Kapazitätsmärkte. Der Gesetzgeber sollte schnellstmöglich die Grundlagen für einen dezentralen Leistungsmarkt schaffen. Wir haben einen entsprechenden Branchenvorschlag vor über einem Jahr unterbreitet. Es muss mittelfristig eine marktorientierte und dauerhafte Lösung für konventionelle Kraftwerke geben. Die Erneuerbaren Energien brauchen diese Kraftwerke als Backup. Das Gut „Versorgungssicherheit“ muss einen Wert und einen Preis bekommen. Der Preis spiegelt sich im Produkt der Versorgungssicherheitsnachweise wieder.
Alle Kraftwerke, Erneuerbare Energien, virtuelle Kraftwerke oder auch Speicher können auf diesem Markt gesicherte Leistung anbieten. Auf der anderen Seite des Marktes stehen die Vertriebe vor Ort. Sie sollen verpflichtet werden, für ihre Kunden gesicherte Leistung in Form der Versorgungssicherheitsnachweise zu besorgen. Das ist eine transparente, marktnahe, effiziente und europäisch ausgerichtete Lösung.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: (Quelle: BDEW)

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