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Hebammen-Haftpflicht: Weitgehend Stillstand

11.09.2015 – Hebamme_Helene Souza_pixelioanzeigeAuch wenn die Ecclesia jetzt wohl in der Hebammenhaftpflicht übernimmt: Aufgrund steigender Beiträge für die vorgeschriebene Berufshaftpflichtversicherung droht ein ganzer Berufszweig – die freiberuflich tätige Hebamme – auszusterben. Und obwohl allen Beteiligten der Ernst der Lage klar ist, tut sich nicht viel. So das ernüchternde Ergebnis eines Fachgespräches zum Thema Hebammen-Haftpflicht.

Christine Bruhn, Geschäftsführerin eines Geburtshauses in Berlin-Charlottenburg, sieht weder Signale zur Abschaffung des Versicherungsmonopols, noch zur Senkung der Beiträge, die sich seit Juli dieses Jahres bei 6.000 Euro im Jahr befinden. Inzwischen machen sie im Schnitt zehn bis 15 Prozent des Einkommens freiberufliche Hebammen aus. Schnelle Abhilfe ist nicht in Sicht. Zwar wurden Gesetzesvorhaben wie der sogenannte Sicherstellungszuschlag für Hebammen mit nur wenigen Geburten und ein eingeschränkter Regressverzicht durch Kranken- und Pflegekassen verabschiedet. Deren Wirksamkeit ist jedoch noch unklar, erklärte sie beim Fachgespräch, das am Mittwoch in Berlin stattfand. Eingeladen hatte der Verein zur Förderung der Versicherungswissenschaft in Berlin.

Welche Bedeutung Geburten außerhalb von Kliniken angesichts zunehmenden Personalnotstands in den Krankenhäusern haben, machte die Leitende Hebamme der Universitäts-Frauenklinik in Freiburg, Cäcilie Fey, deutlich. “Viele Frauen wollen zu Hause oder in Geburtshäusern gebären, weil sie hier eine intensive Betreuung durch ihre Hebamme genießen”, erklärte sie. Doch wenn immer mehr Hebammen ihre Tätigkeit als Geburtshelfer einstellen, weil sie zu wenig verdienen bzw. unverhältnismäßige Versicherungsbeiträge zahlen müssen, werde es diese Wahlmöglichkeit bald nicht mehr geben.

Vonseiten der Versicherungswirtschaft stellte sich Harald Speil, Hauptabteilungsleiter der VKB, der Diskussion. Für ihn sind die ständig steigenden Schadenhöhen – der Durchschnittsschaden für einen schweren Geburtsfehler liegt bei 2,6 Mio. Euro – Ursache für steigende Versicherungsbeiträge. “Wir haben noch nicht mal die Prämie, die wir brauchten”, sagte er. “Das Geschäft ist nicht profitabel.” Um mehr als sechs Prozent steigen die Schadenhöhen pro Jahr bei schweren Personenschäden im Heilwesen, die die Versicherer zu begleichen haben. Da die Regressforderungen der Sozialversicherung allein in den ersten fünf Jahren eines Schadens rund 25 Prozent der Kosten ausmachen, sei hier ein wichtiger Hebel, um die Prämien dauerhaft stabil zu halten. An eine Absenkung sei nicht zu denken.

Auch Thomas Renner, Referatsleiter im Bundesministerium für Gesundheit, sieht in der Kostensenkung die wichtigste Stellschraube für bezahlbare Prämien. Diskussionen um Alternativen zur Privatversicherung bzw. zur Ergänzung hätten allerdings keine messbaren Ergebnisse gebracht. Eine staatliche Versicherung hält er indes auch angesichts der akuten Bedrohung des Versicherungsmarktes für Hebammen nicht für angemessen. Er sieht vor allem die Krankenkassen in der Pflicht. “Ein Regressverzicht setzt direkt bei der Krankenversicherung an”, so seine Meinung. “Eine Fondslösung wäre deutlich bürokratischer.” Laut gestriger Medienberichte hat jetzt ein zur Ecclesia gehörender Makler die Hebammenhaftpflicht des Deutschen Hebammenverbandes übernommen. (epo)

Bildquelle: Helen Souza/ pixelio

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