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“Größeres Kollektiv bedeutet höheres Schadenvolumen”

10.06.2016 – vorstand_dr-walthes-frank - QUELLE VKBDie Politik fordert sie, doch die Branche stemmt sich gegen eine Pflichtpolice für Elementarschäden. “Die Vollkaskoversicherung für das Haus muss ebenso selbstverständlich werden wie für das Auto, allerdings durch mehr Aufklärung”, betont der Chef der Versicherungskammer Bayern, Frank Walthes. “Denn bei der Kfz-Haftpflicht gehe es um den Schutz des Unfallopfers, bei der Elementardeckung um den Schutz des Eigentums, wozu niemand gezwungen werden sollte”, ergänzt Klaus Zehner, Vorstand Schaden/Unfall der SV Sparkassen Versicherung.

Die Serie von Tornados und Wasserfluten in Deutschland ist aus Sicht von Experten beispiellos. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab seit Beginn der Serie am 26. Mai 3000 Unwetterwarnungen heraus. Die Ratingagentur Fitch erwartet, dass sich die versicherten Schäden in Deutschland auf bis zu einer Mrd. Euro belaufen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden dürfte um ein vielfaches höher ausfallen, zumal nicht jedes zerstörte Haus versichert ist. Bundesweit besitzen laut GDV nicht einmal 40 Prozent der Häuser- und Wohnungsbesitzer eine Elementarschadenversicherung, die in solchen Fällen nötig ist. Folglich ist eine Debatte über eine Pflichtpolice gegen Elementarschäden entbrannt. Baden-Württembergs Landeschef Winfried Kretschmann (Grüne) will eine bundesweite Zwangsversicherung, während sich der GDV und die Bayerische dagegen wehren, berichtete VWheute.

Im stark betroffenen Bayern besitzen nur 27 Prozent eine Police gegen Hochwasser. Die dort ansässige Versicherungskammer Bayern rechnet inzwischen mit Eigenschäden von rund 60 Mio. Euro. “Die heutige Durchdringung mit Elementarversicherungen ist noch nicht zufriedenstellend, dennoch setzen wir auf marktwirtschaftliche Lösungen und sehen eine Pflichtversicherung skeptisch”, sagt Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern, gegenüber VWheute. “Wir plädieren für eine weitere Sensibilisierung und vor allen Dingen Aufklärung der Bevölkerung, um im Zuge der Eigenvorsorge die Gefahr Elementar im Versicherungsschutz einzuschließen.” Man müsse Irrtürmer, der Versicherungsschutz sei unbezahlbar, ausräumen.

Dieser Argumentation schließt sich auch die SV Sparkassen Versicherung an, bei der rund 2,8 Millionen Gebäude versichert sind: “Pflichtversicherung bedeutet auch Aufbau von Bürokratie, das hieße – alles wird umständlicher und teurer. Es gibt dafür in der Wohngebäudeversicherung in Deutschland einen funktionierenden Markt”, erklärt Klaus Zehner, Vorstand Schaden/Unfall der SV. Die Politik müsse sich vor allem auf die Ausweitung der Schutzmaßnahmen konzentrieren. “Es kann nicht Aufgabe der Politik sein, bei Naturkatastrophen dauerhaft Menschen mit Steuermitteln zu begünstigen, die keinen Versicherungsschutz abgeschlossen haben.”

Die Bayerische vermutet, dass eine Pflichtversicherung sich zumindest nicht prämiensenkend auswirkt. Der GDV erklärt auf Anfrage: “In jedem Fall würden die Prämien für diejenigen steigen, die bislang keinen Elementarversicherungsschutz hatten. Denn der Einschluss zusätzlicher Gefahren kann nicht kostenneutral erfolgen.” Walthes argumentiert, dass die Prämien steigen werden, weil weniger für Präventionsmaßnahmen ausgegeben würde. Die steigenden Prämieneinnahmen würde seiner Meinung nach nicht das Schadenvolumen ausgleichen. “Bei einer Pflichtversicherung erhöht sich auch das Kollektiv. Und je größer das Kollektiv, desto höher wird auch das Schadenvolumen.” (vwh/dg)

Bild: Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern (Quelle: VKB)

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