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Großbritannien: Standortvorteile stehen auf dem Spiel

07.05.2015 – London_Bernhard Thuerauf_pixelioEine ganze Reihe aus der Londoner City stammende Versicherer segelt mittlerweile unter der Flagge einer auf den Bermudas ansässigen Konzernmutter und lässt in London über Lloyd’s Syndikate generierte Prämien dorthin zedieren. Bis 2035 verlangen die Bermudas von Exempted Companies keine Körperschaftssteuer. Bei einem heutigen Wahlsieg von Labour droht steuerpolitisches Ungemach, das derart Entwicklung verstärken könnte.

Beispiele für das Abwandern aus der Londoner City sind Hiscox, Endurance Specialty sowie Aspen. Immer mehr Lloyd’s Syndikate operieren aus Singapur wo der Körperschaftssteuersatz um die zehn Prozent liegt. Irland lockte mit den dort üblichen 12,5 Prozent zum Beispiel XL.

Zeit also für die britische Regierung sich zu fragen, warum man denn bei diesem Standortwettbewerb so häufig den Kürzeren zieht. Typischerweise wird von den betroffenen Unternehmen auf die besonders inquisitorische Natur der Aufsichtsbehörde Prudential Regulatory Authority, als Teil der Bank of England, sowie auf den mit etwa 20 Prozent nicht mehr sonderlich attraktiven Körperschaftssteuersatz verwiesen. Der britische Schatzkanzler George Osborne hatte Studie angekündigt, die ermitteln soll, wie sich die Attraktivität Großbritanniens in Sachen Aufsicht und Steuern verbessern lässt.

Dabei hat die noch amtierende Regierung gleichzeitig ein konträres Signal ausgesendet: Nun soll hinsichtlich künstlicher Gewinnverlagerungen ins Ausland eine „diverted profits tax“ gelten, das heißt eine oberhalb der 20-prozentigen britischen Körperschaftssteuer liegende Sondersteuer. Bislang weiß noch niemand, wie eine solche Steuer in das System bestehender Doppelbesteuerungsabkommen mit ihren Konsultations­mechanismen für den Fall unklarer geogra­fischer Zuordnung steuerpflichtiger Gewinne einzuordnen sein wird.

Denkbar ist, dass die britischen Steuerbehörden künftig zum Beispiel auch Zessionen von Lloyd’s Syndikaten an deren bermudische Schwestergesellschaften hinsichtlich der Adäquanz der erhaltenen Provisionen genau unter die Lupe nehmen werden. Rückversicherer, die vor der Wahl vergleichbar attraktiver Standorte stehen, werden jedoch auch noch die durchaus reale Möglichkeit eines britischen EU-Austritts einbeziehen müssen.

Mit einem Wahlsieg und einer damit verbundenen von den schottischen Nationalisten SNP geduldeten Minderheitsregierung von Ed Miliband droht weiteres steuerpolitisches Ungemach und damit Abwanderung. Die Abschaffung des “Non-Dom Status” von temporär in Großbritannien residierenden Ausländern sowie im Ausland geborener Briten ist gar von den Tories mitgetragen.

Viele von Ihnen würden sich angesichts eines britischen Spitzensteuersatzes von 45 Prozent -den Labour wohl noch weiter anheben würde – plus Sozialabgaben nach einer neuen Heimat umschauen. Dies gilt insbesondere für ältere Rentiers, die auch noch die 40 prozentige, bereits ab 325.000 Pfund Erbe fällig werdende Immobilien-Erbschaftssteuer fürchten müssen.

Auch die Einführung einer jährlichen Zusatzsteuer auf Wohnungen und Privathäuser im Wert von mehr als zwei Mio. Pfund steht zur Debatte. Diese Wertgrenze wird von vielen Londoner Eigenheimen – häufig im Bereich drei bis fünf Mio. Pfund – bereits überschritten. (cpt)

Bild: Bernhard Thürauf / pixelio.de

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