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Gesundheit: Innovation und Effizienz auf dem Prüfstand

21.10.2016 – gesundheitskongress_akDas deutsche Gesundheitssystem ist das Beste der Welt: Hochkomplex, effizient, transparent und solidarisch soll es sein, so die Selbstwahrnehmung aus Politik und den anverwandten Vereinigungen. Doch das Bessere ist des Guten Feind. So vereint das Motto des Europäischen Gesundheitskongress in München Kritik, Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen für mehr Effizienz: “Neue Chancen für Wettbewerbsfähigkeit und Patientennutzen!”

Die Branche hat mehr Mitarbeiter als die Automobilindustrie, gleichzeitig wachsen zahlreiche Geschäftsfelder rasant heran. Getrieben von Digitalisierung und Wettbewerbsdruck präsentiert sich das deutsche Gesundheitswesen zwar stabil wie sein Ruf, in der Performance aber schlechter als vergleichbare Industriezweige in Deutschland und auch schlechter als Gesundheitsmodelle in anderen Ländern.

Dabei wird hierzulande in das System mit mehr als zwei Mrd. Euro jährlich mehr investiert als in die Raumfahrt, ein weites Feld für die Politik. Aktivitäten hat die Große Koalition in der abgelaufenen Legislaturperiode eine ganz Menge entwickelt: Es wurde eine Gesundheitsreform in Gang gesetzt, ein Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) initiiert und so überhaupt erst der Wettbewerb bei Medikamenten ausgelöst, ein Krankenhausstrukturgesetz wurde aufgelegt und ein Hospiz- und Palliativgesetzte erlassen.

Untätigkeit kann der Politik also nicht vorgeworfen werden, doch der Elan löst Kosten aus, Kosten über deren Verteilung erst noch gestritten werden muss. Allein die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erwarten einen Anstieg von bis zu 0,3 Prozent jährlich. Einen Kostentsunami fürchtet Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, jedoch nicht, mehr eine “Welle”, die sogar willkommen sein könnte, um Innovationen zu beschleunigen:

Hilfreich kann immer der Blick über den Tellerrand sein. Beispiel USA: Hier werden alljährlich rund 4,5 Mrd. US Dollar in das Gesundheitssystem investiert, Tendenz steigend, die Zielrichtung ist klar: Mit Volldampf hinein in die Digitalisierung, ausgestattet mit vollelektronischen Patientenakten, Telemedizin und personalisierter Anwendung. Experten befürchten, so die einhellige Meinung auf dem Kongress, dass eher früher als später dann auch das hochgelobte System in Deutschland unter Druck geraten kann.

Doch auch schon der Blick in die Schweiz ist lehrreich, wie der Vortrag von Andreas Faller, Geschäftsführer Bündnis Freiheitliches Gesundheitswesen, deutlich machte. Hier wurde das sogenannte “Managed-Care-Modell” eingeführt, bei dem jede Anwendung geprüft und auf Effizienz abgeklopft wird. Was in Deutschland Empörung und Diskussionen über die Qualität der Behandlung auslösen würde ist bei den Eidgenossen blanke Selbstverständlichkeit. Darüber sind die konföderierten Helvetier sogar zum Innovationsweltmeister im internationalen Ranking aufgestiegen und zudem als wettbewerbsfähigstes Land weltweit gekürt worden.

Wo bliebt hier der Innventor, wo ist das neue Geschäftsmodell, wer ist der neue Gesundheitsunternehmer, der sich die Trägheit und den Reformunwillen in Deutschland zu Nutze macht, fragte rhetorisch in diesem Zusammenhang Klaus Jacobs, seines Zeichens Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK? Sie sind zwar noch nicht an die Öffentlichkeit getreten, die Digitalisierung wird aber auch hier das Feld umpflügen, waren sich die Diskutanten sicher. Im Interview mit dem Tagesreport skizziert der Direktor des Instituts für Versicherungsbetriebslehre an der Leibnitz Universität Hannover, J.-Matthias von der Schulenburg, wie neue Chancen Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit im deutschen Gesundheitssystem gewonnen werden können.

(vwh/ak)

Bild: Digitalisierung ist auch im Gesundheitswesen das Leitthema, wie auf dem Gesundheitskongress in München deutlich wurde. (Quelle: Alexander Kaspar)

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