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Germanwings-Haftungsfragen: 15.000 Euro sofort fällig

27.03.2015 – “Wir halten uns an internationale Abkommen, in denen die Haftung geregelt ist”, stellte Lufthansa-Chef Carsten Spohr klar. Vor dem Hintergrund des mutmaßlichen Selbstmords des Co-Piloten der Unglücksmaschine der Germanwings, gerieten auch Fragen zu einem möglichen Terror-Anschlag in den Fokus.

Innenminister Thomas de Maizere konnte “nach dem Abgleich der Informationen, die wir haben”, keinen terroristischen Hintergrund feststellen. Allerdings sprachen Luftfahrt-Experten von einem Einschnitt in der Geschichte der Luftfahrt. Denn erstmals hat ein Pilot zahlreiche Menschen mit in den Tod gerissen. “Eine neue, schier unfassbare Situation”, nannte dies Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Technische Weiterentwicklungen der Steuersoftware, die suizidale Manöver verhindern soll, stehen bereits zur Debatte.

In den USA gibt es die einfache Regel, dass ein Cockpit immer mit zwei Personen besetzt sein muss. Verlässt der Pilot beispielsweise – wie bei der Unglücksmaschine – den Raum, muss ein Flugbegleiter seinen Platz einnehmen. Die Norwegian Air hat angekündigt, dies so umzusetzen.

Während der Lufthansa-Chef Carsten Spohr versicherte, sofort und unbürokratisch finanzielle Soforthilfe für die Angehörigen zu leisten, diskutieren Versicherungsexperten bereits über Haftungsfragen. Auf die wollte Spohr nicht im Detail eingehen, ob beispielsweise eine Luftfrachtführerhaftpflicht oder eine Halterhaftpflicht zum Tragen kommt. Denkbar auch, dass es eine Police geben, die beides abdeckt.

“Wir bestätigen, dass Allianz Global Corporate & Specialty der führende Versicherer der Kasko- und Haftpflichtversicherung für Germanwings und deren Flug 4U 9525 ist”, hatte eine Sprecherin tags zuvor erklärt. Einen guten dreistelligen Millionenbetrag wird die Aufarbeitung des Schadens wohl kosten.

Wie viel die Haftpflichtversicherung pro verunglücktem Passagier auszahlt, variiert von Land zu Land, berichtet die Welt. Das Abkommen von Montreal sieht Schadensersatzansprüche auf zirka 140.000 Euro gedeckelt, wenn die Airline keine Mitschuld trägt.

Im Falle von Fahrlässigkeit oder von Fehlern des Unternehmens sind Schadensersatzansprüche theoretisch unbegrenzt, müssen aber in ihrer Höhe nachgewiesen werden. “Das ist in 99 Prozent aller Fällen so. Denn es ist der Airline fast immer unmöglich, nachzuweisen, dass sie keinerlei Verschulden an dem Absturz trifft”, wird der Honorarprofessor für Lufttransportrecht, Wolf Müller-Rostin von der Welt zitiert.

An Soforthilfe seien laut Vorschrift 15.000 Euro fällig, sobald der Hinterbliebenenberechtigte feststeht. (vwh/ku)

Links: Germanwings 4U9525: Ein tragischer Tag und seine Zahlen (Tagesreport vom 25.06.2015)

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