Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Gentechnik spaltet Europa

29.10.2015 – EuropaDer Verkauf und die Verfütterung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Lebensmitteln oder Futtermitteln spaltet weiterhin die Europäische Union. Das EU-Parlament hat am Mittwoch den Entwurf der EU-Kommission verworfen, der den Mitgliedstaaten das Recht einräumen wollte, die Einfuhr von genehmigten GVO-Saaten oder Genlebensmitteln auf ihrem eigenen Hoheitsgebiet zu verbieten.

Die EU-Kommission hatte sich mit ihrem im April dieses Jahres vorgelegten Entwurf an dem inzwischen in Kraft getretenen Gesetz über den Anbau von GVO-Pflanzen und Genlebensmitteln orientiert. Demnach können EU-Mitgliedstaaten frei entscheiden, ob sie in ihren Ländern den Anbau von Gen-Mais oder Gen-Kartoffeln erlauben wollen. Während Gensaaten auf spanischen, britischen und ungarischen Böden angebaut werden, sperren sich Deutschland, Frankreich und Österreich vehement dagegen.

“Gentechnisch veränderte Lebensmittel spielen in Europa zum Glück so gut wie keine Rolle, weil ein Großteil der EU-Verbraucher gentechnisch veränderte Produkte für die menschliche Ernährung ablehnen“, sagte die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior nach der Abstimmung in Straßburg. Anders sehe es hingegen bei Futtermitteln in der Tierzucht aus. 60 Prozent der EU-Einfuhren von pflanzlichem Eiweiß wird derzeit über Soja-Importe bestritten, die aus Ländern stammen, die in großem Maße gentechnisch verändertes Saatgut verwenden.

“Der Vorschlag der EU-Kommission war mit heißer Nadel gestrickt und hätte Europas Verbraucher und Landwirte ins Chaos gestürzt. Das war nicht zu verantworten”, kommentierte der CDU-Europaparlamentarier und Arzt Peter Liese die gescheiterte Vorlage. Nationale Verwendungsverbote nach einer bereits erteilten EU-Zulassung für GVO widersprächen dem Grundprinzip des EU-Binnenmarkts, so Liese. Die Konsequenz wäre gewesen, für Agrarprodukte Grenzkontrollen einzuführen.

Einigkeit hingegen gab es im EU-Parlament in Straßburg bei der Abstimmung über die Novel food-Verordnung. “Der Lebensmittelsektor ist einer der größten und innovativsten in der EU. Um sich im harten Wettbewerb zu behaupten, entwickeln die Hersteller immer neue Produkte und Zusatzstoffe. So werden mittlerweile sogar winzig kleine Nanopartikel in Lebensmitteln eingesetzt. Diese Partikel können die Stabilität von Produkten erhöhen, das Aussehen, den Geschmack oder die Konsistenz verändern oder auch die Aufnahme bestimmter Inhaltstoffe, etwa von Vitaminen, verbessern. Es war deshalb höchste Zeit, die Gesetzgebung an derartige Neuerungen anzupassen“, sagte die CDU-Europaabgeordnete Renate Sommer.

Die Agrarwissenschaftlerin kritisierte das bisherige Zulassungsverfahren als zu kompliziert, zu teuer und zu zeitaufwändig. Es verlange für jedes neuartige Lebensmittel einen Zulassungsantrag in jedem einzelnen EU-Land. Die überarbeitete Verordnung sieht deshalb ein zentralisiertes und verkürztes Verfahren vor, bei dem die Zulassung nicht nur für ein einzelnes Lebensmittel, sondern jeweils für die ganze Produktkategorie ähnlicher Lebensmittel gilt.

Die nun erzielte Einigung zu neuartigen Lebensmitteln zieht einen Schlussstrich unter langjährige, zähe Verhandlungen. Im Jahr 2010 war der erste Anlauf zur Revision der EU-Verordnung gescheitert, weil Parlament und Rat sich nicht zu Lebensmitteln aus geklonten Tieren einigen konnten. Diese Frage wurde nun ausgeklammert und soll in einer eigenen Verordnung geregelt werden.

Für traditionelle Lebensmittel, die bislang zwar kaum in der EU, dafür aber in anderen Regionen der Welt verzehrt werden, gilt künftig ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. Der Weg für exotische Lebensmittel, wie etwa getrocknete Ameisen, was in China als Delikatesse gilt, ist also frei künftig auch für den europäischen Markt. (taf)

Link: Nano-Monitoring: Eine Risikoanalyse für Versicherer (Tagesreport vom 27.05.2015)

Bildquelle: Schmuttel / pixelio.de

Tags: ,
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten