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Generali-Chefvolkswirt: Zins-Entscheid mit aktuellem Befund nicht zu rechtfertigen

21.09.2015 – klaus_wiener_gdvZur Zinsentscheidung der US-Fed exklusiv für VWheute Klaus Wiener, Chefvolkswirt von Generali Investments. Insgesamt dürfte die erste Zinsstraffung seit dem Jahr 2006 nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben worden sein. Die quantitative Geldmengenlockerung und die Nullzinsen sind außergewöhnliche geldpolitische Maßnahmen, die mit dem aktuellen Befund der US-Volkswirtschaft nicht mehr zu rechtfertigen sind.

Es besteht die Gefahr, dass sich mit der stark fallenden Unterauslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten ein Preisdruck aufbaut, der ohne rechtzeitiges Gegensteuern der Geldpolitik später eine sehr viel härtere Gangart erfordert. Um dies zu verhindern, dürfte die US-Notenbank den Prozess der Leitzinsnormalisierung noch in diesem Jahr beginnen, aller Voraussicht nach auf der übernächsten Sitzung am 16. Dezember.

Die Fed hat Erwartungen enttäuscht, dass die seit dem Jahr 2008 andauernde Nullzinsära zu Ende geht. Begründet wurde die Entscheidung mit globalen Entwicklungen wie den Konjunktursorgen in den Schwellenländern und der hieraus resultierenden Unsicherheit auf den Finanzmärkten.

Zudem erwartet die Fed, dass der erneute Rückgang der Ölpreise auf unter 50 Dollar pro Barrel die Inflationsrate noch für einige Zeit auf sehr niedrigem Niveau halten wird. Allerdings gehen die Fed-Offiziellen davon aus, dass die dämpfenden Effekte nur vorübergehend sind. An dem grundsätzlichen Bild einer robusten Binnenkonjunktur haben die jüngsten Entwicklungen in China oder auf den Aktienmärkten nichts geändert. So sind deutliche Verbesserungen weiterhin auf dem Arbeitsmarkt und bei den Investitionen erkennbar. Zudem erholt sich der private Immobilienmarkt zusehends, und die Kreditvergabe steigt. Auch deshalb geht eine große Mehrheit der Mitglieder des Offenmarktausschusses unverändert davon aus, dass die Leitzinsen noch in diesem Jahr um 25 Basispunkte steigen werden.

Die wesentlichen Voraussetzungen hierfür sind, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt – und hier insbesondere die Bedingungen für die Langzeitarbeitslosen – weiter bessert. Zudem muss das Vertrauen der US-Notenbanker darin steigen, dass sich die Inflation dem Ziel von zwei Prozent nähert. Beide Bedingungen dürften recht zügig erfüllt sein. So weisen wesentliche Frühindikatoren am Arbeitsmarkt darauf hin, dass die Arbeitslosenquote schon bald unter das kritische Niveau von fünf Prozent fallen wird. Spätestens dann sollte auch der zuletzt noch geringe Lohndruck steigen. Zudem wird sich die Inflationsrate auf Grund von Basiseffekten um die Jahreswende spürbar erhöhen. Bei unveränderten Ölpreisen rechnen wir schon für den Januar 2016 wieder mit Raten von nahe zwei Prozent.

Bild: Klaus Wiener, Chefvolkswirt von Generali Investments, wird zum 1. Dezember Chefvolkswirt des GDV. (Quelle: GDV)

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