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GDV-Studie: Ausbau des Drei-Säulen-Systems notwendig

16.04.2014 – gdv-altersvorsorge-150Ohne eine Erhöhung des Verbreitungsgrads der staatlich geförderten privaten und betrieblichen Alterssicherung wird keine lebensstandardsichernde Versorgung breiter Bevölkerungsschichten möglich sein. Kurzfristig niedrige Zinsen sind kein mittel- und langfristig tragendes Argument gegen einen Ausbau des Drei-Säulen-Systems der Alterssicherung. Das Rentenpaket ignoriert demografische Herausforderungen.

Das sind die zentralen Handlungsanweisungen und Ergebnisse der Studie „Die Zukunft der Altersvorsorge vor dem Hintergrund von Bevölkerungsalterung und Kapitalmarktentwicklungen“ des Handelsblatt Research Institute (HRI) und der Prognos AG im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Durch die Rentenpolitik der großen Koalition würden die Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung in den nächsten Jahrzehnten steigen. Gleichzeitig sinke das Rentenniveau noch stärker als bislang erwartet. Ohne eine stärkere Verbreitung der betrieblichen und privaten Altersversorgung könne eine lebensstandardsichernde Altersversorgung für das Gros der Bevölkerung nicht sichergestellt werden.

„Als Folge der beschlossenen Mütterrente und der abschlagsfreien Rente ab 63 dürfte der Rentenbeitrag bis 2030 auf 22,7 Prozent von derzeit 18,9 Prozent steigen, während das Sicherungsniveau um bis zu 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfällt als ohne diese Maßnahmen“, sagt Prognos-Chefökonom Michael Böhmer. Nach Überzeugung der Verfasser setzt die Bundesregierung mit diesem rentenpolitischen Kurs ein falsches Signal: Das derzeitige demografische Zwischenhoch werde für langfristige Leistungsausweitungen missbraucht.

Als notwendig und richtig bezeichnet das Gutachten die seit 2001 umgesetzten Rentenreformen. Ein Zurückdrehen wäre grundlegend falsch. „Dadurch würden Versorgungsillusionen genährt, die sich in den kritischen Jahren ab 2030 als trügerisch erweisen würden“, erklärt HRI-Leiter Bert Rürup. Ohne diese Reformen würde der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 auf fast 30 Prozent steigen: „Außerdem müsste der Bundeszuschuss aus Steuermitteln deutlich angehoben werden.”

Der Umbau der Alterssicherung in Deutschland zu einem Mehr-Säulen-Modell aus umlage- und kapitalfinanzierter Vorsorge bleibe richtig. „Denn nur bei dieser Mischung wird auf alle Quellen des Volkseinkommens zugegriffen“, macht Böhmer deutlich. An diesem Befund ändere auch die Niedrigzinsphase nichts.

GDV-Präsident Alexander Erdland plädiert dafür, die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Säulen nüchtern abzuwägen: „Für jede gute Kapitalanlage wird empfohlen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Das selbe gilt für das Rentensystem insgesamt: Ein Mischsystem aus Umlagefinanzierung und Kapitaldeckung erhöht die Stabilität und das Renditepotenzial.“

Siehe DOSSIER: Umlage allein kann Altersicherung nicht leisten

Bild: Der GDV will mit seiner aktuellen Studie ein Plädoyer für rentenpolitischen Realismus liefern. (Quelle: GDV)

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