Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Freies Fahren” auf Rennstrecken nicht kaskoversichert

09.05.2014 – auto-motorrad-oldtimerWer als privater Fahrer auf einer Rennstrecke verunfallt, kann nicht damit rechnen die Schäden am Fahrzeug oder an der Rennstrecke (z.B. Leitplanken) von der Kaskoversicherung ersetzt zu bekommen. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden. (OLG Karlsruhe AZ: 12 u 149/13 Urteil vom 15. April 2014).

Der Fall:

Bei einer Veranstaltung „H.-E.-Freies Fahren“ des Deutschen Sportfahrerkreises auf dem Nürburgring im April 2012 „krachte“ der Geschäftsführer der Klägerin, einer Versicherungsmaklerin, mit deren Porsche 911 GT3 auf dem Nürburgring Nordschleife bei ca. 115 km/h in die Leitplanke. Die Klägerin begehrt wegen der beschädigten Leitplanke Freistellung von den Schadensersatzansprüchen des Betreibers in Höhe von ca. 1.800 Euro und Leistungen aus der Kaskoversicherung wegen der Beschädigung des Porsches in Höhe von ca. 20.000 Euro von ihrer beklagten Kraftfahrzeugversicherung. Die Klage wurde abgewiesen.

Aus den Gründen:

Der Klägerin stehe kein Anspruch auf Erstattung des geltend gemachten Kaskoschadens wegen Beschädigung des versicherten Fahrzeuges zu. Einer Leistungspflicht der Versicherung stehe der Risikoausschluss in den AKB entgegen. Die Ausschlussklausel sei in der konkret vorliegenden Form wirksam, insbesondere sei sie weder überraschend noch intransparent oder benachteilige die Klägerin in sonstiger Weise entgegen den Geboten von Treu und Glauben. Die Klausel sei nicht überraschend, auch wenn sich in denselben AKB in den Bereichen für die Haftpflichtversicherung eine hiervon abweichende Risikoausschlussklausel finde. Die Kraftfahrtversicherung sei eine in einem Versicherungsschein zusammengefasste Mehrzahl selbständiger Versicherungsverträge, weshalb Gefahrerhöhungen, Anzeigepflicht- und Obliegenheitsverletzungen sowie Risikoausschlussklauseln für die jeweilige Sparte jeweils getrennt zu prüfen seien. Der Inhalt sei üblicher Inhalt allgemeiner Versicherungsbedingungen und für den durchschnittlichen Versicherungsnehmer deshalb ebenfalls nicht überraschend.

[...]

Zwar bestünden für den Senat keine Zweifel daran, dass bei einer Veranstaltung der vorliegenden Art die eingesetzten Kraftfahrzeuge einem gesteigerten Risiko unterlägen und das Fahrverhalten der Teilnehmer – etwa durch Ausbremsen anderer Teilnehmer, Rechtsüberholen, Windschattenfahren – vielfach den Anforderungen der StVO nicht gerecht würde. Jedoch sei unstreitig keine Wertung, Platzierung und Zeitmessung erfolgt. Dass es den Teilnehmern zweifelsohne auch um die Erzielung möglichst hoher Geschwindigkeiten gehen könne, sei bei der gebotenen engen Auslegung einer Ausschlussklausel nicht ausreichend. Die Veranstaltung habe auch keine „zugehörige Übungsfahrt“ dargestellt, insoweit müsse eine vom Veranstalter organisierte Übungsfahrt zu einem bestimmten Rennen vorliegen, das sei hier nicht der Fall gewesen.  (vwh)

Der Senat hat die Revision nicht zugelassen.

Bild: Wer auf privaten Rennstrecken Gas geben will sollte den passenden Versicherungsschutz haben, sonst kann es bei Unfällen teuer werden. (Quelle: ak)

Link: “Freies Fahren” auf dem Nürburgring ist nicht kaskoversichert

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten