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Frauen ticken anders – Männer auch!

30.10.2014 – rentner-paar-150Frauen ticken anders – Männer auch! Unter dieses polarisierende Motto hat wider der allgemeinen Genderdiskussion Andreas Schmidt, Geschäftsführer beim Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), auf dem 2. MCC-Kongress für Betriebliches Gesundheitsmanagement in Köln seinen Vortrag gestellt. Im Interview mit VWheute arbeitet Schmidt Argumente für eine geschlechtersensible Präventionsarbeit in den Unternehmen heraus. Die Veranstaltung geht heute in die nächste Runde.

VWheute:„Frauen ticken anders – Männer auch“ lautet die Überschrift zu Ihrem Vortrag. Dazu kurz: welche Befunde haben zu dieser Feststellung geführt?

Schmidt: Neben biologischen Unterschieden prägen vor allen unterschiedliche Arbeitsbedingungen und Geschlechterrollenbilder das Belastungsempfinden und Gesundheitsverhalten. Obgleich Männer einen wesentlich riskanteren Lebensstil aufweisen, der sich im Vergleich zu Frauen vor allem in höheren Anteilen beim Übergewicht, Rauchen oder Alkoholkonsum  niederschlägt, sind sie mit ihrem eigenen Gesundheitsempfinden zufriedener als Frauen. Ein (gesundheitlich) riskanterer Lebensstil entspricht offensichtlich einem gängigen Rollenbild, dass Männlichkeit mit Risikobereitschaft verknüpft. Im Vergleich zu Männern, arbeiten Frauen viel häufiger im Niedriglohnsektor, sind wesentlich seltener in Führungspositionen anzutreffen und müssen zum Großteil  immer noch die Familienarbeit leisten. Aus diesen Belastungskonstellationen ergeben sich unterschiedliche Belastungskonstellationen mit entsprechenden Beanspruchungsfolgen, die sich von den Männern unterscheiden.

Worin unterscheiden sich die Geschlechter in ihrem Präventionsverhalten?

Frauen nehmen Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsangebote wesentlich häufiger an als Männer. Bei beiden Geschlechter spielt dabei der sozioökonomische Status eine Rolle: Je höher der Status, also z.B. der Bildungsabschluss, die berufliche Qualifikation oder das Einkommen, desto höher die Bereitschaft an Präventionsangeboten teilzunehmen. Die Bereitschaft der Männer Präventionsangebote wahrzunehmen steigt jedoch mit dem Alter, so dass sich die Diskrepanz zu den Frauen mit fortschreitendem Alter verringert. Um die Akzeptanz von Präventionsangeboten bei (jüngeren) Männern, zu erhöhen, bedarf es u.a. einer anderen Ansprache, in der nicht auf gesundheitliche Defizite abgehoben wird, sondern stärker das Leistungsvermögen und die Vitalität adressiert werden.

Welche geschlechtersensiblen Ansätze betrieblicher Gesundheitsförderung ergeben sich daraus?

Die Verankerung von Genderaspekten im betrieblichen Gesundheitsmanagement erfordert die Beteiligung beider Geschlechter bei der Bewertung von Analysen und der Planung von Maßnahmen. Wenn die Betroffenen von Beginn an beteiligt werden, kann es gelingen bestehende Rollenklischees und Vorurteile aufzubrechen und Maßnahmen zielgruppengerechter zu planen und durchzuführen. Dabei muss das Augenmerk auf die konkreten Tätigkeitsfelder und Belastungskonstellationen gelenkt werden, um geschlechtersensibel ausgestaltete Maßnahmen zu entwickeln. Hier ist es insbesondere erforderlich, die Lebenswelt zu berücksichtigen.  Bei der Ansprache und Bewerbung von Präventionsangeboten sollte eine angemessene geschlechterdifferenzierte Kommunikation erfolgen, damit die vergleichsweise geringe Beteiligung von Männern erhöht werden kann. Schließlich bedarf es verstärkter Initiativen, bei denjenigen, die  von der Betrieblichen Gesundheitsförderung nicht oder nur unzureichend  erreicht werden. Dies wiederum sind nicht nur, aber vor allem Frauen, die öfter als Männer in Teilzeit,  Mini-Jobs oder prekärer Beschäftigung arbeiten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Männer und Frauen brauchen eine individuelle Gesundheitsförderung. (Quelle: vwh)

Links: Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), 2. MCC-Kongress für Betriebliches Gesundheitsmanagement (Downloadbereich zum Programm)

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