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Josef Beutelmann: “Forderung ist eindeutig zu hoch”

20.03.2015 – BeutelmannHeute um 14.00 Uhr starten in Karlsruhe die Tarifverhandlungen für die rund 161.000 Innendienst-Angestellten und 12.000 Auszubildenden der Versicherungswirtschaft. Verhandlungsführer der Arbeitgeber ist Josef Beutelmann, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV).

ver.di tritt mit einem neuen Verhandlungsführer an: Christoph Meister, seit Juli 2014 Mitglied des ver.di-Bundesvorstands, dort zuständig für Finanzdienstleistungen und Jugend. Parallel wird in Karlsruhe mit den Gewerkschaften DHV und DBV verhandelt. Die drei Gewerkschaften haben unterschiedliche Forderungen erhoben, ver.di will 5,5 Prozent für zwölf Monate. VWheute sprach mit dem AGV-Vorsitzenden Josef Beutelmann.

VWheute: Wie weit sehen Sie die Positionen zum Auftakt der Verhandlungen noch auseinander, wo sehen Sie den wichtigsten Knackpunkt?

Josef Beutelmann: In der ersten Runde diskutieren wir mit den Gewerkschaften die volkswirtschaftliche Lage in Deutschland und die wirtschaftliche Lage der Versicherungswirtschaft. Tarifverhandlungen sind branchenbezogen, man kann nicht alle Wirtschaftszweige über einen Kamm scheren. Beispielsweise können wir uns nicht messen mit der Exportindustrie, speziell mit der Metall- und Elektroindustrie. Im Februar wurden beispielsweise in der EU 7,3 Prozent mehr Kraftfahrzeuge zugelassen als vor einem Jahr. Von solchen Wachstumsraten kann die Versicherungswirtschaft derzeit nur träumen. Der Knackpunkt ist, ob die Gewerkschaften diese Sichtweise teilen.

VWheute: Die Versicherungsangestellten haben am 1. August 2013 3,2 Prozent und am 1. Oktober 2014 weitere 2,2 Prozent mehr Lohn bekommen, jetzt stehen 5,5 Prozent im Raum. Wie bewerten Sie diese Forderung konkret? Halten Sie eine Forderung in dieser Höhe angesichts der vielfältigen Herausforderungen in der Versicherungsbranche für gerechtfertigt?

Josef Beutelmann: Die Forderung ist eindeutig zu hoch. Die Versicherungswirtschaft befindet sich durch die anhaltende Niedrigzinsphase, durch die verschärften Eigenkapitalanforderungen nach Solvency II, durch rückläufige laufende Beiträge in der Lebensversicherung, durch eine Combined Ratio in diversen Bereichen der Schaden- und Unfallversicherung von immer noch über 100 Prozent und durch den Rückgang in der privaten Krankenvollversicherung in einem schwierigen Marktumfeld. Und die ver.di-Forderung ist auch deshalb zu hoch, weil sie nur für zwölf Monate gilt. Ein solcher Kurzläufer kommt für uns nicht in Betracht. Auch ver.di selbst schließt zurzeit nur deutlich länger laufende Tarifverträge ab, bei den gesetzlichen Krankenkassen zum Beispiel zwischen 24 und 28 Monaten.

VWheute: Wodurch zeichnet sich die Sozialpartnerschaft in der Versicherungsbranche im Vergleich zu anderen Branchen aus?

Josef Beutelmann: Wir pflegen ein gutes Verhältnis mit den Gewerkschaften und werben – nicht ohne Erfolg – dafür, dass nur vernünftige Tarifabschlüsse Beschäftigungsstabilität gewährleisten. Seit über sechs Jahren haben wir rund 161.000 Angestellte im Innendienst, da hat es keinen Abrieb gegeben. Das würde sich schlagartig ändern, wenn die tariflichen Personalkosten zu stark oder zu schnell steigen sollten. (vwh)

Bild: Josef Beutelmann, Vorsitzender des Vorstandes des AGV. (Quelle: Barmenia)

Link: Ver.di fordert 5,5 Prozent für Versicherungsbranche (Tagesreport bom 09.02.2015)

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