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Ex-Volkswirt der EZB: “Ihr Geld wird entwertet”

10.07.2014 – ezb_stark_150Jürgen Stark, ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) warnt im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Focus Money (aktuelle Ausgabe Heft 28 – nicht online) vor der Rettungspolitik der EZB in Sachen Euro: “Das wird kein gutes Ende nehmen”, so Stark und “uns droht die Dauerkrise, denn der Eindruck trügt”.

Auf durchgängig sechs eng bedruckten Seiten stellt Redakteurin Jana Tilz Fragen, die der Öffentlichkeit wie den Kapitalanlegern auf den Nägeln brennen, wie: “Stehen wir wieder am Abgrund?”, “Besteht auch bei uns die Gefahr einer Blasenbildung?” oder “Können Bundesbürger der EZB überhaupt noch trauen?”.

Dazu Stark: “Die Zinssenkung halte ich nicht für sachgerecht. Sie ist eher symbolischer Natur.” Und es werde wohl schon bald um den großvolumigen Ankauf von Anleihen gehen. Der Abgrund sei zwar noch nicht erreicht, aber bei der Bewältigung der Krise sei man auf internationaler, europäischer und deutscher Ebene stehen geblieben. Eine Blasenbildung sei speziell im Immobiliensektor bereits zu beobachten, offensichtlich wolle man die Krise mit den Mitteln lösen, die 2008 und 2009, Stichwort Immobilienkredite, erst in das Finanzchaos geführt haben. Das Vertrauen der EZB sieht ihr ehemaliges Direktoriumsmitglied Stark beschädigt, denn die Maßnahmen seien vielmehr eine Beruhigungspille, die temporär zwar Ruhe schafft, aber keine Lösung bringt. “Ich halte die getroffenen Entscheidungen für nicht sachgerecht, es sei denn, die EZB verfügt über Informationen, die der breiten Öffentlichkeit nicht vorliegen.”

Auf die Frage Tilz’, die Politik scheine sich ja zu verändern, Italien, Frankreich und auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wollen die gemeinsamen Stabilitätsregeln weiter aufweichen. Kann eine Kombination aus höheren Schulden und Strukturreformen die Euro-Zone wieder stärken, antwortet Stark: “Auf keinen Fall. Die Fähigkeit von Ländern wie Frankreich oder Italien, ihre jeweiligen öffentlichen Verschuldungen zu tragen, muss ohnehin bezweifelt werden. Eine Gleichung – laxe Haushaltspolitik gegen Strukturreformen – wird nicht aufgehen. Ein solcher Kuhhandel führt zu fiskalpolitischer Disziplinlosigkeit, ohne die wirtschaftlichen Aussichten zu verbessern. Dann wird die Krise zur Dauerkrise.” (vwh)

Bild: Jürgen Stark war von 2010 bis 2012 Chefvolkswirt der EZB, heute bezeichnet er sich als “Independent Economist”. (Quelle: CEP)

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