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EU-Kapitalmarkt leidet unter Zersplitterung

20.10.2016 – Giegold“Europa leidet unter einer historisch niedrigen Investitionstätigkeit und dem Mangel an nachhaltigem Wachstum”, umschrieb der finanzpolitische Experte der Grünenfraktion im Europäischen Parlament (EP), Sven Giegold, die Malaise des lahmenden europäischen Kapitalmarktes im globalen Kontext auf der Veranstaltung “Zukunft des Europäischen Asset Managements”.

Ugo Bassi von der Generaldirektion Finanzmarkstabilität der EU-Kommission bewertete die hochwertigen Produkte der europäischen Finanzdienstleistungsbranche zunächst als eine Erfolgsgeschichte. Um die von der EU angestrebte Kapitalmarkt Union (CMU) Wirklichkeit werden zu lassen, gelte es jedoch noch einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen. “Die vorherrschenden Wettbewerbsregelungen in den nationalen Märkten, die 27 unterschiedlichen Marktregime in den EU-Mitgliedstaaten sowie die nationalen Aufsichtsregime und unterschiedlichen Besteuerungs-Regeln sowie die differierenden Berichterstattungspflichten stellen Haupthindernisse dar”, erläutert Bassi.

Der EU-Kommission sei daran gelegen, dass rasch Anleger- und verbraucherfreundliche Regelungen in der EU greifen können, um mehr private und öffentliche Investitionen anzukurbeln. Die EU-Kommission wolle derzeit nicht mit einer neuen Regulierungswelle dieses Ziel erreichen, sondern nur in unabdingbaren Bereichen mit Regulierungs-Vorschlägen zu Beginn des Jahres 2017 aufwarten.

“Investoren erwarten zu allererst ein Klima des Vertrauens”, brachte es Peter De Proft, Generaldirektor der European Fund and Asset Management Assocation (EFAMA) auf den Punkt. Efama unterstütze das CMU-Projekt, damit Finanzprodukte über Grenzen hinweg in einem funktionierenden EU-Binnenmarkt ohne Barrieren angeboten werden könnten. Die Finanzmarktbranche stehe mit Initiativen wie Fintechs und Robo advice vor einer neuen Revolution der Finanzmärkte. “Robo advice” werde in Zukunft nur eine Variante darstellen, aber die persönliche Beratung von Finanzdienstleistern von Banken und Versicherern werde dies nicht ersetzen können. “Im Gegenteil bei den neuen Formen passiven Investments besteht eine echte Beratungslücke”, sagte Proft.

Wohin die Reise gehen könnte bei der künftigen privaten Altersvorsorge angesichts von alternden Gesellschaften in Europa skizzierte Mats Öberg von der Schwedischen Renten Agentur. Unter Aufsicht der Staates hat die schwedische Renten-Agentur einen privaten Fonds aufgelegt, der von 100 zugelassenen Fonds-Managern geführt wird mit einem Kapital von mehr als 100 Mrd. Euro und verwaltet zugunsten von 6,8 Millionen Bürgern sowie privaten Anlegern. “Immer mehr junge Menschen um die 20 Jahre alt klinken sich in diesen AP7 Fonds ein, der den größten globalen Immobilienfonds als Langzeit Sparprodukt erfolgreich managt”, so Öberg.

Um dieses skandinavische erfolgreiche Modell auf die gesamt EU übertragen zu können, bedürfe es nach Ansicht von Karel Lannoo vom “Centre for European Policy Studies (CEPS)” eines integrierten europäischen Aufsichtsregimes, um die Zersplitterung der allzu national zugeschnittenen höchst komplexen Aufsichtsbehörden aufzubrechen. „Die von der EU-Kommission angestoßenen Projekte PRIPS und MifiD II gehen in die richtige Richtung, müssen aber endlich arbeitsfähig gemacht werden in allen EU-Staaten gleichermaßen”. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten mit 7.500 Fonds und einem Einlagenwert von 1,6 Mrd. Dollar komme die EU mit 227 Mio. Euro Anlagevolumina verteilt auf 2.200 Fonds bescheiden daher. In Europa würden weiterhin dreistellige Milliardensummen auf Sparkonten gebunkert und fließe nicht in Risikokapital wie in den USA.

“Die Zukunft gehört grünen Investitionen in Infrastrukturen im Energie- oder Transportsektor wie Erneuerbaren Energien und neuen Mobilitätskonzepten“, begrüßte Joanna Cound vom Global Investment Fund Black Rock die Europäische Investitionsinitiative (Efsi). Die größte Herausforderung für langfristige Investitionen wie beispielsweise vonseiten des größten institutionellen Investors, der Versicherungsindustrie, sei wegen fehlender steuerlicher Harmonisierung in der EU noch nicht erreicht. (taf)

Bild: Sven Giegold, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Europaparlament. (Quelle: Sven Giegold)

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