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“Es zeichnet sich Anpassungsbedarf ab“

17.10.2016 – Wehling_GDVSolvency II – kein Projekt wird in der Branche so heiß diskutiert. VWheute hat beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nachgefragt, wie genau sich die Richtlinie auswirken wird und ob sie zu harsch oder zu flaumig ausgefallen ist. Für den GDV hat Dr. Axel Wehling, Mitglied der Geschäftsführung des GDV, Rede und Antwort gestanden.

VWheute: Ist Solvency II zu scharf oder zu locker eingestellt?

Wehling: Für eine Gesamtbilanz ist es noch zu früh. Wir plädieren dafür, Solvency II erst einmal wirken zu lassen und weitere Erfahrungen zu sammeln. An einigen Punkten zeichnet sich aber bereits Anpassungsbedarf ab. Insbesondere ist eine bessere Verzahnung der Solvency-II-Eigenmittelanforderungen mit der Zinszusatzreserve erforderlich.

VWheute: Theoretisch verschafft Solvency II den Unternehmen mehr Freiheiten. Praktisch hat es aber den Anschein, als ob es ein zu enges Korsett ist. Wo liegt die Wahrheit?

Wehling: Leider sind die Freiheiten, die Solvency II geschaffen hat, durch zahlreiche ergänzende Regelungen auf Level 2 und 3 stark beschnitten worden. Beispielsweise müssen Unternehmen bei der Kapitalanlage keine starren Obergrenzen mehr einhalten, andererseits aber sehr detaillierte, auf über 6.700 Seiten festgehaltene Vorschriften sehr genau befolgen. Daraus resultiert ein erheblicher bürokratischer Aufwand für alle Unternehmen, der insbesondere die kleineren Versicherer zu überfordern droht.

VWheute: Die Bafin merkt an, wie schwankungsanfällig Solvency II ist. Verzerrt das Modell die Risiken?

Wehling: Weil Bewertungen unter Solvency II auf aktuellen Marktwerten beruhen, sind volatile Ergebnisse in einem volatilen Marktumfeld unvermeidlich. Wichtig ist, die Ergebnisse richtig einzuordnen. Bei Veränderungen von einem Quartal zum nächsten muss man auch die Ursachen dieser Veränderungen in den Blick nehmen, entscheidend ist der langfristige Horizont. Vor allem dann, wenn wir über Lebensversicherer mit ihren sehr langfristig angelegten Geschäftsmodellen sprechen.

Die Fragen stellte Christoph Baltzer, Redakteur bei VWheute.

Bild: Axel Wehling. (Quelle: GDV)

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