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Bernardino beruhigt Gegenseitigkeitsversicherer

06.06.2016 – Vernaillien_Amice“Alles was wir gesäht haben im letzten Jahr, erblüht zum Leben”, resümierte die scheidende Amice-Präsidentin Hilde Vernaillen beim Jahreskongress der europäischen Vereinigung der Gegenseitigkeitsversicherer und Genossenschaften (Amice) in Gent das zurückliegende Jahr 2015 und ihr auslaufendes Mandat nach drei Präsidentschaftsjahren.

Vereinzelte Initiativen seien noch im Keim-Stadium, andere zeigten schon prächtige Sprossen und einige Versicherer kämen bereits in den Genuss, Früchte der Amice-Verbandsarbeit zu ernten. Als Vermächtnis des dreijährigen Vernaillen-Präsidentschaft darf die von der Amice-Hauptversammlung beschlossene enge Kooperation mit der globalen Vereinigung der Fédération internationale des coopératives et mutuelles d‘assurance (icmif) als zukunftsweisender Deal gewertet werden.

Amice-Schatzmeister Robert Lilli wartete ebenso mit erfreulichen Ergebnissen auf. Das bei der Vorjahresversammlung im Mai 2015 bilanzierte Defizit von 199.772 Euro konnte mit Billigung der Mitgliederversammlung aus eigenen Rückstellungen ausgeglichen werden. Das revidierte Budget für 2016 weist einen Betrag von 998.000 Euro aus und überspringt für den Plan 2017 mit einer projektierten Bilanz von 1.087.000 Euro erstmals die Millionengrenze.

“In Zukunft werden wir in der neuen Kooperationen mehr leisten können für unsere Mitglieder mit weniger Kosten, weil wir Kompetenzen teilen und bündeln“, stellte Vernaillen beim Jahresbericht in Aussicht. Die Amice/Icmif-Kooperation führt die aktuellen 107 Amice-Mitglieder und 227 Icmif-Versicherer auf einen gemeinsamen Stand von 295 Gegenseitigkeits- und Genossenschaftsunternehmen in der Branche. “Diese Kooperation macht uns stärker, schlagkräftiger und verschafft uns eine Stimme mit mehr Gewicht auf globaler und europäischer Ebene”, sagte Vernaillen in Gent.

Der Sektor der Gegenseitigkeitsversicherer und Versicherungskooperativen zählt 5.300 Versicherungsunternehmen in Europa und repräsentiert 30 Prozent des gesamten Prämienaufkommens in der Europäischen Union. Sie decken 400 Millionen Versicherungen ab und beschäftigen 430.000 Personen.

Um die Zukunft des Modells der “Gegenseitigkeit – die Versicherung der Zukunft”, wie das diesjährige Kongressmotto lautete, muss sich die Branche keine wirklichen Sorgen machen. Der neugewählte Amice-Präsident Grzegorz Buczkowski erfuhr denn auch am zweiten Kongresstag als Moderator der Diskussionsrunde “Gegenversicherer schützen Verbraucher auf natürliche Weise”, Zuspruch von höchster europäischer Stelle.

Der Vorsitzende der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa), Gabriel Bernardino, versicherte vor den rund 200 Kongressteilnehmern, dass die anstehende Umsetzung der Solvency-II-Regelungen den Erhalt der Gegenseitigkeitsversicherer nicht in Frage stellen werde. “Der Schutz der Verbraucher ist in ihren Genen”, richtete sich Bernardino an die Amice- und Icmif-Repräsentanten.

Das Solvency-II-Regime verfolge den gleichen Ansatz wie der Genossenschaftsgedanke, nämlich den Verbraucher zu schützen auf EU-Ebene. Das Solvency-II-Regime sei nicht darauf angelegt, Kleine und mittlere Unternehmen in der Branche aus dem Markt zu drängen. “Sollte dies der Fall sein, werden wir es korrigieren”, versprach Bernardino unter dem Applaus der Delegierten.

Monika Köstlin, geschäftsführendes Vorstandsmitglied vom Verband der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in Norddeutschland mit 150 Mitgliedern von 10.000 bis 400 Mio. Euro Jahresumsatz, wertet das Modell der Gegenseitigkeit auch in der digitalisierten Welt als zukunftsweisend. “Es gibt eine Rückkehr zur Tradition. Die Affinität zu technischen Abschlussmöglichkeiten, die junge Menschen heute haben wollen, müssen wir natürlich mitgehen. Aber die traditionellen Werte des Kontaktes mit den Versicherungsvermittlern als vertrauensvoller Ansprechpartner, wird wieder zunehmen”, gibt sich die Vorsitzende des Kieler Rückversicherungsvereins gegenüber VWheute zuversichtlich.

Auch in Sachen Solvency II sieht Köstlin die Gegenseitigkeitsversicherer gut aufgestellt. “Mit 30 Millionen Prämie beim Kieler Rückversicherungsverein weiß ich wie hart es ist, Solvency II umzusetzen. Wir haben im Verband nur 20 Mitglieder, die unter das Solvency II-Regime fallen mit einem Jahresumsatz über fünf Mio. Euro”. Viele Gegenseitigkeitsversicherer hätten nicht die Anzahl von Experten und Juristen aufzuweisen, wie die großen Versicherer. “Wir setzen darauf, dass wir alle gut kapitalisiert sind und dass wir unter den Proportionalitätsgesichtspunkten pragmatisch die Dinge umsetzen können in Zukunft”. (taf)

Bild: Die bisherige Amice-Präsidentin Hilde Vernaillen (Quelle: Amice)

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