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Ecclesia-Chef: Haftpflicht im Gesundheitswesen vor dem Kollaps

21.09.2015 – Petry_brsDie stark gestiegenen Prämien für die Berufshaftpflicht von freiberuflich tätigen Hebammen werden nach Einschätzung von Ecclesia-Geschätfsführer Franz-Michael Petry durch den geplanten Regressverzicht der Kranken- und Pflegekassen nicht wirklich sinken. Petry befürchtet eher eine Prozesslawine, da der Regressverzicht bei grober Fahrlässigkeit nicht gewährt werden soll.

“Richtig wäre ein Regressverzicht für den gesamten Gesundheitssektor”, sagte Petry sagte auf dem 16. Deutschen Medizinrechtstag in Berlin. Auch die Krankenhäuser litten unter stark steigenden Haftpflichtprämien. Bei Neuverträgen gebe es Prämienanhebungen von über 100 Prozent, sagte Petry, der der Geschäftsführung der Ecclesia Versicherungsdienst GmbH angehört. Das Unternehmen sieht sich als führender Makler für Kirche, Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen. Ecclesia wird Anfang Oktober den Gruppenvertrag mit dem Deutschen Hebammenverband übernehmen. Petry machte eine einfache Rechnung auf, wenn die etwa 3.500 freiberuflichen Hebammen eine Haftpflichtprämie von jeweils 6.500 Euro bezahlen müssen, mache dies ein Beitragsvolumen von knapp 23 Millionen Euro aus.

Wenn man aber zugleich sehe, dass Geburtsschäden leicht zwischen drei und zehn Millionen Euro je Fall kosten könnten, dann könne man sich bei jährlich rund 10.000 außer Hausgeburten ausrechnen, für wie viele Fälle die Deckungssumme ausreichen dürfte. Daran ändere auch der von der Bundesregierung gewollte Regressverzicht nichts, zumal dieser gemäß Versorgungsstärkungsgesetz bei Fehlern, die vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden, nicht greife. Petry vertritt die Ansicht, dass im gesamten Gesundheitsbereich die Regressmöglichkeit der Sozialversicherungsträger aufgehoben werden sollte. Dies würde bei den Krankenkassen aber zu Mehrbelastungen führen, die letztlich die Versicherten über ihre Beiträge tragen müssten. Petry sieht ansonsten die Geburtshilfe-Abteilungen in kleineren Krankenhäusern bedroht. “Die Haftpflichtversicherung im Gesundheitswesen steht vor dem Kollaps”, meint der ausgewiesene Kenner der Szene. (brs)

Bild: Ecclesia-Geschätfsführer Franz-Michael Petry (Quelle: brs)

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