Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

DIW-Chef: „Es kann in Russland zum Kollaps kommen“

18.12.2014 – fratzscher_marcel_diwDIW-Chef Marcel Fratzscher im VWheute-Interview über die Kapitalflucht in Russland und die Auswirkungen auf die Eurozone und die deutsche Wirtschaft. Er geht auch darauf ein, warum die Gegenmaßnahmen wie die Erhöhung der Leitzinsen nicht wirken.

Marcel Fratzscher: Es sind in erster Linie die Sanktionen (siehe DOSSIER), die jetzt die russische Ökonomie ins Wanken bringen, nicht so sehr der gesunkene Ölpreis, Die viel größeren Wirkungen gehen von den Finanzsanktionen aus. Wir sehen eine riesige Kapitalflucht von ausländischen und auch russischen Investoren.

VWheute: Warum wirken die Gegenmaßnahmen wie die drastische Erhöhung der Leitzinsen in Russland nicht?

Die Maßnahmen, die man jetzt ergriffen hat, können sogar durchaus kontraproduktiv sein. Sie bedeuten natürlich auch schlechte Nachrichten auf russische Unternehmen und Verbraucher. Das wird weiter schwächen, ohne die Kapitalflucht aufhalten zu können. Der Vertrauensverlust wird nicht aufgehalten. Und es kann noch schlimmer kommen bis hin zu einem regelrechten Kollaps.

Die Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft –sowohl bei der Industrie wie im Finanzsektor zu dem auch die Versicherer gehören?

Auf der realwirtschaftlichen Seite wird das gesamtwirtschaftlich zunächst einmal einen geringen Einfluss haben. Der russische Anteil am Gesamtexport ist in absoluten Zahlen gering. Das größte Risiko für Deutschland kommt über die Finanzmärkte. Und aus einer allgemeinen Risiko aversen Spirale. Alle werden vorsichtiger, weil der Vertrauensverlust da ist. Das mag für die deutschen Verhältnisse momentan sogar einen positiven Effekt auslösen; die deutschen Staatsanleihen werden noch günstiger. Aber was ist mit den Risikoländern in der EU? Auch dort wird die Risikoscheu wachsen und die Zinsen nach oben drängen – mit negativen Effekten für die Eurozone und Deutschland. Bei der gegebenen globalen Finanzmarktvernetzung wirkt alles seismografisch.

Die Fragen stellte Chefredakteur Heinz Klaus Mertes.

Bild: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW Berlin. (Quelle: DIW)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten