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Die Kapitalmarktunion kommt nicht über Nacht

20.02.2015 – Europa_Mit der Vorlage des Grünbuchs „Schaffung einer Kapitalmarktunion“ hat EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill einen ersten Stein ins Wasser geworfen, um ein halbes Jahrhundert nach Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft einen echten Kapitalbinnenmarkt anzustoßen. „Die Kapitalmarktunion soll Finanzmittel freimachen, die zwar ausreichend vorhanden, aber zur Zeit auf nationalen Märkten eingefroren sind“, sagte er.

Der freie Kapitalverkehr gehöre zwar zu den vier Grundfreiheiten der EU, die Realität mache aber zu häufig an nationalen Grenzen halt und würde kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von notwendiger Kapitalisierung für Investitionen oft abschneiden. Um auf Dauer mehr Wachstum und Beschäftigung zu erreichen, müssten die Hürden für den Kapitalverkehr zwischen Anlegern und Unternehmen sowie für Infrastrukturprojekte innerhalb der Mitgliedstaaten und grenzüberschreitend abgebaut werden.

Der Vermögensverwaltungsbranche komme mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 17 Billionen Euro und der Versicherungswirtschaft mit Vermögenswerten von rund zwölf Billionen Euro eine entscheidende Bedeutung für die anstehenden großen Infrastrukturaufgaben im Bereich der Digitalwirtschaft, der Energieunion sowie im Transportbereich zu. „Der ab dem 1. Januar 2016 geltende Aufsichtsrahmen für Versicherungsunternehmen (Solvency II) ermöglicht es den Unternehmen in stärkerem Umfang in Zukunft, in langfristige Vermögenswerte zu investieren, da nationale Beschränkungen für die Zusammensetzung ihre Vermögensportfolios aufgehoben werden“, heißt es im Grünbuch.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt, dass private Infrastrukturinvestitionen erleichtert werden sollen. Eine sinnvolle Vereinheitlichung nationaler Kapitalmarktstandards, verfügbarer Finanzinstrumente und rechtlicher Regelungen könne Versicherern die Erweiterung und Diversifizierung ihre Kapitalanlagen über Landesgrenzen hinweg erleichtern. Um weitgehend sichere Infrastrukturinvestitionen zu identifizieren, könnte auch eine neue Asset-Klasse für Projekte mit geringen Investitionsrisiken und dementsprechend niedrigeren Eigenmittelanforderungen ins Auge gefasst werden.

Der GDV weist darauf hin, dass nach aktuellem Stand Versicherer unter Solvencyy II ihre Infrastrukturinvestitionen auch bei geringen Risiken mindestens zu 49 Prozent mit Eigenmitteln absichern müssten. „Damit werden viele Investitionsprojekte unattraktiv“, betont Axel Wehling von der GDV-Hauptgeschäftsführung. Die Verwirklichung einer Kapitalmarktunion komme nicht über Nacht sondern sei eine Langzeitaufgabe die die EU-Kommission bis 2019 beschäftige, so Hill. Die Konsultationsphase des Grünbuchs läuft bis 13. Mai 2015. (taf)

Bildquelle: Schmuttel / pixelio.de

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