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Der Eckrentner hat ausgedient

13.11.2015 – gdvstudie_epoIm Jahr 2040 wird es kein Ost-West-Gefälle bei den Rentenbezügen aus der gesetzlichen Rentenversicherung mehr geben. In den nächsten Jahren werden die im Schnitt höheren Rentenansprüche im Osten der Republik hinter die Zahlbeträge im Westen zurückfallen, heißt es in einer Prognos-Studie, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Doch das sagt nichts darüber aus, was man sich mit der Rente dann tatsächlich kaufen kann.

Stattdessen muss geschaut werden, was man sich in der Region, in der man wohnt, mit seiner Rente leisten kann, welche Kaufkraft sich also hinter dem Rentenbetrag verbirgt. Und nicht nur die Region entscheidet darüber, wie hoch die eigene Rente ausfällt und was sie wert ist. “Den sogenannten Eckrentner gibt es in der Realität nicht”, erklärt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der die Studie in Auftrag gab, bei der Vorstellung.

Demnach würden viele verschiedene Faktoren den Rentenbezug beeinflussen, zu denen unter anderem der ausgeübte Beruf, Zeiten der Arbeitslosigkeit und andere Unterbrechungen der Berufstätigkeit gehören. Auch Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer schlussfolgert, dass die Rentenperspektiven individuell betrachtet und eingeschätzt werden müssen. Dabei sichert ein dauerhaft hohes Einkommen über die gesamte Zeit der Berufstätigkeit nicht unbedingt eine hohe Kaufkraft im Alter, wie die Studie ergab. Denn hohe Lebenshaltungskosten vor allem in den Großstädten und Ballungsgebieten fressen unter Umständen die finanziellen Vorteile wieder auf.

Was nicht überrascht: Zwischen unterschiedlichen Berufen gibt es deutliche Unterschiede im Hinblick auf die zu erwartende Rente. Während etwa eine Verkäuferin mit zwei Kindern während ihrer gesamten Erwerbstätigkeit weniger als der “Eckrentner” verdient und sich im Jahr 2040 mit 1.090 Euro Rente (gerechnet zu heutigen Preisen) zufrieden geben muss, kommt eine Teamleiterin auf 2.370 Euro Rente. Bei den Männern sieht es ähnlich aus: Ein Elektroinstallateur muss sich mit 1.460 Euro Rente begnügen, während ein Entwicklungsingenieur über 2.600 Euro verfügt.

Mit dieser Betrachtungsweise will der GDV die Rentendiskussion weg vom abstrakten Eckrentner näher an die Menschen heranführen. Jeder Bürger müsse sich darüber klar werden, dass die Diskussion ihn persönlich betrifft. Vor dem Hintergrund, dass die Leistungsfähigkeit der GKV aufgrund der Demografie dramatisch abnehmen wird, sei private Vorsorge – auf welchem Wege auf immer – unverzichtbar.

Heute stammen die Rentenbezüge im Osten noch zu 90 Prozent aus der GKV, im Westen zu zwei Dritteln. Das wird sich ändern. Und auch die aktuelle Zuwanderung werde dieses Problem nicht nachhaltig lösen können, so Böhmer, weil man damit rechnen müsse, dass etwa 60 Prozent der Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Nach einer “demografischen Pause”, wie es Erdland bezeichnete, werden sich um 2030 die “Babyboomer” in Rente begeben (siehe DOSSIER). (epo)

Bild: Prognos-Chefvolkswirt Michael Böhmer (links) und GDV-Präsident Alexander Erdland. (Quelle: Elke Pohl)

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