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Dax-Chefs formieren sich: Aufgabenheft für die Politik

13.08.2014 – WW_Schuetz_pixelioDie Realwirtschaft sieht sich zurückgedrängt. Dax-30 Chefs formieren sich zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Michael Diekmann (Allianz), Nikolaus von Bomhard (Munich Re), Johannes Teyssen (Eon) und Kollegen füllen das Aufgabenheft der Politik. Impulse und Weichenstellungen für die Zukunft werden angemahnt.

“Deutschland ist international wettbewerbsfähig und wird es auf Sicht auch bleiben”, sagt Munich Re-Chef Nikolaus von Bomhard: “Dennoch müssen wir konstatieren, dass der Standort Deutschland zuletzt nicht gestärkt, sondern eher geschwächt wurde.” Gerade den demografieblinden Ausbau der umlagefinanzierten Rentensäule kritisiert er als erhebliche Bürde für die Zukunft. Von der Politik komme zu wenig. “Wegweisende Veränderungen waren also zuletzt vor allem Krisenreaktionen”, so von Bomhard in seinem Kommentar im Manager Magazin. Auch wenn er die aktuellen Entscheidungen nicht gut heißt, “fallen die ökonomischen Effekte von Mindestlohn oder Rentenreform weniger ins Gewicht als das Fehlen zukunftsweisender Impulse.”

Infrastruktur und Bildung sind die beiden Felder, in die es zu investieren gilt. Hier pflichtet ihm der Allianz-Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann bei. Auch Versicherer könnten hier aktiv werden: “Eine Regulierung, die die Versicherungsbranche bei größeren Investitionen in die Infrastruktur und die Energiewende nicht unangemessen bestraft, würde den Staat entlasten und der alternden Bevölkerung nachhaltig nutzen.”

Was derzeit auf der Agenda steht, ist in Diekmanns Augen mitunter marginal: “In der wirtschaftspolitischen Diskussion setzen wir uns viel zu viel mit Verteilungsfragen und auch immer häufiger mit reinen Nebenschauplätzen auseinander. Die aktuelle Diskussion um die Einführung einer PKW-Maut ist ein Beleg dafür. Die wirklich brennenden Themen geraten dadurch in den Hintergrund.”

Er mahnt an: “Wettbewerbsfähigkeit ist nie gesichert, sie will andauernd neu erarbeitet werden.”

“Derzeit findet Wachstum vor allem außerhalb Deutschlands statt”, lautet die Analyse von BASF-Chef Kurt Bock. Grund: “Unsere Kunden sind nicht bereit, einen Energiezuschlag auf Produkte Made in Germany zu zahlen.”

Das herrschende Sicherheitsdenken bremse die Innovationskraft aus: “Wenn nur die Vermutung besteht, dass etwas schief gehen könnte, gehen wir fest davon aus, dass es wahrscheinlich schief gehen wird. Und deshalb fangen wir überhaupt erst gar nicht an.”

Deutschland setzt gerade seine Wettbewerbsfähigkeit aufs Spiel, stellt Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Continental, fest: “Und das schon seit einiger Zeit.”

Teure Energie und Arbeit stärken die ausländische Konkurrenz, lautet die These. Was er sich von der Politik wünscht: “Es gilt, mutig die Balance zwischen Sozialleistungen, wie zum Beispiel Rentenzahlungen, auf der einen und Zukunftsinvestitionen, wie zum Beispiel in Bildung, auf der anderen Seite anzustreben. Derzeit sehe ich hier noch eine starke Unwucht. Beim Autofahren führt so etwas letztlich zu Instabilität, dafür haben wir elektronische Stabilitätssysteme entwickelt. So etwas könnten wir auf politischer Ebene gelegentlich auch gut gebrauchen.”

Eon-Chef Johannes Teyssen findet indes, dass eine starke Volkswirtschaft die Rente mit 63, Mütterrente und Mindestlohn durchaus verkraften kann. Aber “nichts bedroht unsere künftige Wettbewerbsfähigkeit auf mittlere und längere Sicht mehr, als unsichere und teure Energie.” Souverän und vorausschauend mit der guten ökonomischen Entwicklung der letzten Jahre gilt es umzugehen.

Teyssen: “Wirklich riskant ist derzeit nicht, was die Politik sozialpolitisch tut, sondern, was sie nicht – oder nicht ausreichend – volkswirtschaftlich tut. Wo sind nämlich die gedankliche Radikalität und der politische Mut, mit der etwa die Agenda 2010 durchgesetzt wurde, wenn es heute um eine grundlegende Neuausrichtung der Energiewende geht?” (vwh)

Bild: Tut die Politik zu wenig für die Wirtschaft? Dax-Manager wünschen sich Impulse für mehr Wachstum. (Quelle: Dieter Schütz/ pixelio)

Link: Wirtschaftspolitik ohne Zukunft (Kommentarreihe der Dax-30 Vorstände im Manager Magazin)

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