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Chancen begreifen – flexiblen Rentenübergang schaffen

20.03.2015 – maximilian_zimmerer_brsMan darf sich durch die vorgezeichnete demografische Entwicklung nicht Bange machen lassen; vielmehr gilt es die Chancen einer älter werdenden Gesellschaft zu nutzen, so der Tenor auf dem 4. Berliner Demografie-Forum (BDF). Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer zeigte sich optimistisch, dass durch richtige Weichenstellungen die demografischen Herausforderungen bewältig werden könnten. Wiederholt wurde die Notwendigkeit betont, flexible Übergänge in den Ruhestand zu schaffen.

Das Bild der Bevölkerungspyramide habe sich heute in einen in die Breite gegangen Tannenbaum gewandelt, dessen Stamm immer dünner werde und in der Spitze immer weiter wachse (Derzeit gebe es in Deutschland bereits rund 13.200 über 100-jährige), sagte Zimmerer zur Eröffnung des von der Allianz geförderten Demografie-Forums. Deutschland profitiere heute von den Baby-Boomern, die jetzt um die 50 Jahre alt in Lohn und Brot stünden. Dies biete aber auch jetzt die Chancen Vorsorge zu treffen, indem etwa das Drei-Säulen-Modell schon wegen des herausfordernden Zinsumfelds nachjustiert werde.

Für Norbert Schneider vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ist die jeweiligen Situation der Menschen entscheidend und nicht welcher Altersgruppe sie angehören. Dabei seien Altersvorgaben von 63, 65 oder 67 Jahren für einen Renteneintritt wenig hilfreich. Die Menschen müssten vielmehr flexibel aus dem Arbeitsprozess herausgleiten können. Für Schneider hat sich zugleich für die 60- bis 79-jährigen eine neue Lebensphase entwickelt, in der die agilen Senioren das Leben bei guter Gesundheit zum einen zwar genießen würden, die sich zum anderen aber auch gesellschaftlich engagieren.

Auch für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) ist die demografische Entwicklung kein Anlass in Alarmstimmung zu verfallen. Wichtig sei natürlich, eine nachhaltige Finanzierung der Sozialsysteme sicherzustellen. Man müsse sich in einer älter werdenden Gesellschaft den praktischen Fragen des Alltags stellen, wobei etwa der medizinische Fortschritt (eHealth) einen Beitrag leisten könne. Eine große Herausforderung stelle die Solidarität der Generationen miteinander dar, sagte Gröhe unter Hinweis darauf, dass immer mehr ältere Menschen keine eigenen Kinder hätten. Nach dem BiB-Bericht zur Bevölkerungsentwicklung stieg die Zahl der Einpersonenhaushalte von 11,9 Mio. im Jahr 1991 auf 16,3 Mio. im Jahr 2011.

Der Schweizer Innenminister Alain Berset, der auch für Gesundheit und Soziales zuständig ist, verlangte Anpassungen im Rentensystem, die aber keinen Generationenkonflikt entstehen lasse. Die Regelaltersgrenze solle einheitlich auf 65 Jahre (bislang Frauen 64 und Männer 65 Jahre) angehoben werden. Zudem wolle man flexible Übergange zwischen 62 und 70 Jahre schaffen, um Menschen länger in Arbeit zu halten.

Abstriche am Rentenniveau könne es nicht geben, da ein neues Rentenrecht auch bei einer Volksabstimmung mit Mehrheit verabschiedet werden müsse. Positiv würden für die Schweiz die Wanderungsgewinne wirken, die jährlich bei etwa einem Prozent liegen würden. Für Deutschland würde dies eine Nettozuwanderung von jährlich etwa 800.000 Menschen bedeuten. Bei der Zuwanderung gelte es, auf die soziale Inklusion zu achten, sagte Berset. (brs)

Bild: Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer (Quelle: Manfred Brüss)

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