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Bund macht lieber Schulden als Versicherern hohe Renditen zu zahlen

07.10.2016 – Die Summe der Investitionen in Public Private Partnerships, also Kooperationen von öffentlicher Hand und privaten Geldgebern, ist laut Bauindustrie zuletzt von einer Mrd. auf 825 Mio. Euro geschrumpft. Talanx-Chef Herbert Haas erklärt dem Handelsblatt: Der Staat finanziert Infrastrukturprojekte lieber am Kapitalmarkt, weil er für Schulden derzeit eine positive Rendite erhält. Warum sollte der Bund noch private Investoren holen, denen er eine viel höhere Rendite bieten muss.

Das Geschäftsklima für die Versicherer war auf den ersten Blick wohl nie so verlockend wie heute, um in das Infrastruktur-Business hineinzugehen. “In einem Spannungsfeld zwischen Niedrigzinsphase und den zu erfüllenden Verpflichtungen aus den Versicherungsverträgen wird die Wahl einer richtigen Absicherungsstrategie und der passenden Asset-Klassen zu einem Wettbewerbs- sowie Überlebensfaktor für die Lebensversicherungs- und Versorgungswirtschaft”, glaubt Alina Singer, Geschäftsführerin der V.E.R.S. Leipzig.

Die Versicherer mit ihrem gewaltigen Kapitalsammelbecken werden für die Modernisierung des Standorts Deutschland gebraucht. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) seinerseits hat erst im März angekündigt, die Investitionslücke bei der Infrastruktur mit einem Verkehrswegeplan schließen und Planung sowie Bau beschleunigen zu wollen. Demnach sollen in den nächsten anderthalb Jahrzehnten knapp 265 Mrd. Euro in Straßen, Schienen und Wasserwege fließen.

Doch das Vorhaben, Versicherungen und Pensionsfonds einzubinden, scheitert am Angebotsmangel. “Es gibt kaum große, öffentliche Infrastrukturprojekte in Deutschland, die sich für unsere Branche anbieten würden”, klagt Herbert Haas, Vorstandschef des drittgrößten deutschen Versicherers Talanx. Er macht das Zinsumfeld für das mangelnde Interesse verantwortlich, das private Beteiligungen weniger dringlich macht. Das sei die eine Seite der Medaille. Es würde sich laut Haas trotzdem lohnen, Versicherer bei Großprojekten ins Boot zu holen. “Ein privates Unternehmen setzt Großprojekte fast immer professionell um. Nehmen Sie den neuen Flughafen BER in Berlin. Glauben Sie, dieser Verzug wäre entstanden, wenn dort ein privater Investor in der Führung gewesen wäre?” Man könne von einem deutschen Phänomen sprechen. In anderen Ländern sei man wesentlich offener, private Investoren einzubeziehen, sagt er dem Handelsblatt.

“Viele Menschen haben Angst davor, dass private Investoren in die staatliche Daseinsvorsorge eingreifen”, sagte GDV- Chefvolkswirt Klaus Wiener am Donnerstag in Berlin. Um die Diskussion zu beleben, hat der GDV zusammen mit dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ein Gutachten erstellt. Danach könnte das Engagement privater Investoren viele Großbauprojekte rentabler machen – und Milliardenpannen wie beim Berliner Großflughafen BER oder der U-Bahn in Köln vermeiden.

Auch Dieter Wemmer macht aus seinem Verdruss keinen Hehl. “Wir finden keine geeigneten Infrastrukturanlagen”, ärgerte sich der Finanzchef des Münchener Versicherungsgiganten Allianz dieser Tage auf einer Podiumsdiskussion der Business-School ESMT. Außer der Autobahnraststättenkette “Tank & Rast” hat der Versicherer hierzulande nicht viel im Portfolio.

Etwa 1,5 Bil. Euro beträgt das gesamte Anlagevermögen deutsche Erst- und Rückversicherer. Umfragen zeigen, dass die Unternehmen mehr in Infrastruktur investieren wollen. Derzeit haben die Versicherer nur 0,46 Prozent ihrer Anlagen (rund zwölf Mrd. Euro) in Infrastruktur-Vorhaben investiert, davon nur ein Drittel in Deutschland.

Doch um Investitionsziele zu finden, schweift der Blick der Versicherungsriesen verstärkt ins Ausland. Der Mangel an Offerten aus der Heimat ist durchaus auch eine verpasste Chance für die öffentliche Hand. Denn der Bedarf an Investitionen ist unübersehbar.

Aus Sicht vieler Versicherer bremsten auch Kapitalvorgaben größere Investitionen in Infrastruktur-Projekte. Seit April müssen die Unternehmen ihre Investitionen in Infrastruktur-Projekte statt zu 49 Prozent nur noch zu 30 Prozent mit Kapital unterlegen. Immer noch zu viel für manche Versicherer. (vwh/dg/mst)

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