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Brexit wäre “ein Rückschlag zuviel”

23.06.2016 – flaggen_pixelioDie Swiss Re hat eine “Reihe von Szenarien für mögliche Ergebnisse des Referendums in Großbritannien berücksichtigt”, erklärt Chefökonom Kurt Karl zum heutigen Brexit-Referendum. Für Michael Menhart von der Munich Re indes wäre ein Brexit “vielleicht ein Rückschlag zuviel” für die EU. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigte für ein Brexit-Votum an: “Out is out.”

Wenn Großbritannien die EU verlässt, werde es keine Nachverhandlungen über Konzessionen zugunsten von Großbritannien geben, machte der Jean-Claude Juncker gestern unmissverständlich klar. Ziemlich bald dürfte in dem Fall auch der britische Finanzkommissar Lord Jonathan Hill seine Entlassungsurkunde bekommen.

Eine dann erforderliche Übertragung des bisherigen Portfolios von Hill, der für Finanzdienstleistungen und die Verwirklichung der Kapitalmarktunion zuständig ist, würde zunächst ein gewisses prozedurales Vakuum der Gesetzgebung nach sich ziehen. Die Versicherungswirtschaft würde dies ins Mark treffen, weil die Auflösung des bisherigen Hill-Kabinettes und eine personelle Neuorganisation der Kompetenzen, den Prozess der Umsetzung von Solvency II und den so eminent wichtigen Durchführungsbestimmungen für die Versicherer, erneut verzögern würde.

Klar ist, dass UK nicht von heute auf morgen sämtlicher europäischer Privilegien und Teilhabe beraubt wird, sondern man sich in Brüssel auf bis zu zweijährige Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich einrichtet. Die Abwicklung einer 40-jährigen Mitgliedschaft ist keine Frage von Wochen. Der Lissabon-Vertrag, der in den europäischen Verträgen erstmals einen formellen Austritt eines Mitgliedslandes überhaupt erst in die EU-Statuten aufgenommen hatte, sieht einen Übergangszeitraum von bis zu zwei Jahren vor.

“Weitere Länder werden andere Forderungen erheben, es wird weitere Referenden geben”, erklärte Michael Menhart bereits im Vorfeld der Verhandlungen zwischen Ministerpräsident David Cameron und der EU im Februar.

Er fürchtet gravierende Auswirkungen auf den Außenhandel von Großbritannien, der zu mehr als der Hälfte über die EU abgewickelt wird. Auch die EU würde – neben starker politischer Schwächung – 16 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verlieren.

“Swiss Re beobachtet die aktuellen Entwicklungen genau. Eine Arbeitsgruppe wurde Ende 2015 gebildet, um die potenziellen Entwicklungen in Bezug auf die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Europäischen Union zu berücksichtigen”, sagt Kurt Karl auf Anfrage von VWheute.

Lloyd’s-Chefin Inga Beale indes erneuert gegenüber Business Insurance ihr Bekenntnis zur EU: “We think that open trade and being part of a bigger community are very important.” (vwh/taf/ku)

Bild: Michael Heimann / pixelio.de

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