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Bleibt das Ländle grün?

11.03.2016 – schloss_karlsruhe_pixelioBei der Wahl in Baden-Württemberg verspricht insbesondere die Frage Spannung, ob die Grünen besser als die CDU abschneiden. Aber auch dieses Wahlergebnis wäre keine Garantie für Winfried Kretschmann, dass er Ministerpräsident bleiben kann. Denn die Sitzverhältnisse können bei fünf in den Landtag einziehenden Parteien die Regierungsbildung schwieriger und überraschender machen.

Kretschmann regiert seit 2011 als erster grüner Regierungschef überhaupt in der deutschen Geschichte. Aktuellen Umfragen zufolge liegen die Grünen derzeit mit 32 souverän vor der CDU, die in ihrem einstigen Stammland gerade einmal auf 28 Prozent kommt. Die SPD liegt mit derzeit 13 Prozent gleichauf mit der AfD. Die FDP liegt derzeit bei stabilen acht Prozent, während die Linke mit vier Prozent nicht im neuen baden-württembergischen Landtag vertreten wäre.

Laut ARD Deutschlandtrend bleiben die Machtverhältnisse daher weiter unklar, da weder Grün-Rot (45 Prozent) noch Schwarz-Gelb (36 Prozent) über eine eigene Mehrheit verfügen. Da alle Parteien eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen haben, wären dagegen rein rechnerisch Bündnisse aus Grünen und CDU, eine Ampelkoalition von Grünen, SPD und FDP sowie eine Dreierkoalition von CDU, SPD und FDP möglich.

Zentrales Thema im Landeswahlkampf war – wie auch in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt – die aktuelle Flüchtlingskrise. Allerdings standen auch die Themen Innere Sicherheit oder die Schulpolitik im Fokus. In der Umwelt- und Wirtschaftspolitik setzten die Grünen und die SPD im Autoland Baden-Württemberg auf die Karte “Alternative Antriebe”. Gemeinsam mit der CDU ist auch der Regierungskoalition am Erhalt einer starken Automobilindustrie gelegen – wovon sicherlich auch die Versicherungsbranche profitieren wird.

Auch der Versicherungsstandort Baden-Württemberg weist einige landestypische Besonderheiten auf. 45 der 385 Versicherungsunternehmen in Deutschland haben ihren Sitz in Baden-Württemberg. Die Beitragseinnahmen dieser 45 Versicherer belaufen sich im Jahr 2013 zusammen auf ca. 30,2 Mrd. Euro. Damit werden rund 12 Prozent des bundesweiten Beitragsaufkommens in Baden-Württemberg vereinnahmt. Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen erzielen laut dem statistischen Jahrbuch der Versicherungswirtschaft 2015 noch einen höheren prozentualen Anteil. In der Versicherungswirtschaft insgesamt, also einschließlich selbständiger Vermittler, waren in Baden-Württemberg im Jahr 2014 ca. 68.600 Personen beschäftigt. Das sind knapp 13 Prozent der bundesweit im Versicherungssektor Beschäftigten.

Bei den Schadensfällen ist Baden-Württemberg im Bereich der Feuerschäden das am wenigsten betroffene Bundesland. Nur 1,3 von 100 Baden-Württembergern sind innerhalb von 10 Jahren von Feuerschäden betroffen. Am anderen Ende des Spektrums steht Sachsen-Anhalt mit 3,5 Betroffenen bei 100 Personen. Wenn Feuerschäden auftreten, sind diese in Baden-Württemberg jedoch mit 6.210 Euro pro Brandfall teurer als der Bundesdurchschnitt mit 5.120 Euro. Nur im Saarland und in Schleswig-Holstein sind die Feuerschäden noch teurer. Auch bei den Gesamtschäden an Haus und Wohnung zeigt sich laut Generali-Risikoatlas die geringe Schadensanzahl in Baden-Württemberg: Nur etwa jeder Sechste (17,9 Prozent) meldet innerhalb von 10 Jahren einen Schaden. Auf Platz zwei folgt Bayern mit 23,2 Prozent. Am anderen Ende der Skala liegt Sachsen mit 35,8 Prozent.

Die Kosten für Krankenhausbehandlungen liegen in Baden-Württemberg deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Mit 4.591 Euro pro Fall (Bundesdurchschnitt 4.239) war Baden-Württemberg im Jahr 2014 gemäß der Daten des Statistischen Bundesamtes teuerstes Bundesland, was die stationären Bruttokosten pro im Krankenhaus behandeltem Fall betrifft.

Die strukturellen Daten in Baden-Württemberg hinsichtlich der sozio-ökonomischen Lage sind sehr positiv. Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg ist im Februar 2016 die geringste im ganzen Bundesgebiet: Mit 4 Prozent liegt sie noch 0,1 Prozent unter dem Wert von Bayern. Der Creditreform SchuldnerAtlas 2015 zeigt, dass Baden-Württemberg mit einem Wert von 8,09 Prozent den zweitniedrigsten Anteil – nach Bayern mit 7,12 Prozent – an überschuldeten Personen an der Gesamtbevölkerung aufweist. Auch der Axa Themenfokus “Finanzielle Flexibilität im Ruhestand” lässt die positive Finanzlage der Haushalte in Baden-Württemberg erkennen: So erwarten 32 Prozent der Erwerbstätigen, dass sich ihre Finanzausstattung im Ruhestand durch eine Erbschaft erhöht. Genauso hoch ist dieser Wert nur noch in Rheinland-Pfalz. (mh)

Links: SWR-Spezial zur Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg, Frauenduell in Rheinland-Pfalz (Tagesreport vom 10.03.2016), Landestypische Besonderheiten des Versicherungsstandorts Sachsen-Anhalt (Tagesreport vom 09.03.2016)

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Report: Mit schwäbischer Weitsicht gut gerüstet., Stuttgart kann stolz auf seine Automobilindustrie sein. Auch als Finanzplatz mit den Versicherern und Bausparkassen spielt die Landeshauptstadt eine bedeutende Rolle. Dabei gibt es erhebliche Parallelen zum Traditionsplatz Karlsruhe, in VW 02/13 (Einzelartikel zu 3,81 Euro).

Bild: Residenzschloss Karlsruhe (Quelle: Klaus Mackenbach / pixelio.de)

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