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Bewusstseinswandel beim Reiseschutz

03.11.2016 – stefan_schroedel_ervDie politischen Unsicherheiten und Bedrohungslagen – allen voran durch die jüngsten Terroranschläge – hinterlassen auch auf dem Reisemarkt deutliche Spuren. Dies trübt zwar die Urlaubsstimmung an manchen Destinationen deutlich. “Andererseits führen die Geschehnisse auch zu einem Bewusstseinswandel”, konstatiert Stefan Schrödel, Head of Sales Development der ERV, im Exklusivinterview mit VWheute.

VWheute: Die vergangenen Monate waren politisch durchaus turbulent – allen voran die Terroranschläge in Bayern sowie der gescheiterte Putschversuch in der Türkei. Wie wirkt sich aus Ihrer Sicht auf die Reiseversicherer aus?

Stefan Schrödel: Von der geopolitischen Lage auf dem Weltmarkt wurde auch die ERV beeinflusst. Da in den letzten Monaten vermehrt beliebte Urlaubsregionen wie die Türkei, der Großraum Nordafrika und Frankreich betroffen waren, brach in diesen Gebieten der Tourismus stark ein. Die vermehrten Negativ-Schlagzeilen in diesen klassischen Urlaubszielen wirkten sich dämpfend auf die generelle Reiselust der Deutschen aus. Selbst in der Hauptreisezeit musste die Touristikindustrie in vielen Regionen einen Nachfragerückgang verzeichnen.

Das prognostizierte Last-Minute-Jahr fand dadurch gar nicht statt. Selbst bei vorhandenen Hotelkapazitäten waren kurzfristig buchbare Flüge in ansprechende Destinationen äußerst schwer zu erhalten. Das Thema Sicherheit steht zunehmend im Fokus der Reisenden. Sie verzichten daher teilweise auf Urlaub oder wählen vermehrt Ziele, die ihnen sicher erscheinen. Entsprechend beliebt sind aktuell erdgebundene Reisen, vor allem in die Zielgebiete Italien und Kroatien; darüber hinaus boomt der Inlandtourismus (siehe POLITICS).

VWheute: Versicherungsschutz scheint in diesen Zeiten gefragter denn je. Spüren Sie aufgrund der aktuellen politischen Lage entsprechende Auswirkungen auf das laufende Geschäft und wenn ja, in welcher Form?

Stefan Schrödel: Wir können hier zwei Grundströmungen feststellen: Einerseits trüben die vielen negativen Nachrichten und die unbeständige Sicherheitslage in einigen Destinationen die Urlaubsstimmung deutlich. Die damit verbundene Buchungszurückhaltung spiegelt sich entsprechend auch in den Reiseschutz-Abschlüssen wider.

Andererseits führen die Geschehnisse auch zu einem Bewusstseinswandel, der in einem erhöhten Sicherheitsdenken der Reisenden gipfelt. Das gestiegene Bewusstsein zum diesem Thema zeigt sich deutlich daran, dass Kunden im Reisebüro vermehrt Fragen zur Sicherheit im Reiseland stellen, was wiederum die Bereitschaft zum Abschluss eine Absicherung erhöht. Das gilt insbesondere für die Reisekranken- sowie für die Reiserücktritts-Versicherung.

VWheute: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Die Bedrohungslagen werden sich in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht gravierend verändern. Wie gehen Sie aktuell damit um und wie werden Sie zukünftig strategisch darauf reagieren?

Stefan Schrödel: Trotz der fragilen Sicherheitslage in einigen Destinationen bleibt der Wunsch zu verreisen weiterhin konstant bestehen. Die Menschen verreisen nicht weniger, wählen aber andere Urlaubsformen und damit verbunden auch anderen Buchungswege. Generell lassen sich je nach aktueller Nachrichtenlage massive und kurzfristige Verschiebungen in den Flugdestinationen feststellen.

Zusätzlich verzeichnet die Tourismusindustrie eine Verlagerung von Reisen in das östliche hin zu Reisen in das westliche Mittelmeer. Eine weitere Zunahme sehen wir wie oben erwähnt bei den erdgebundenen Reisen, etwa mit dem Auto oder per Zug. Dies ist nicht allein auf die unbeständige geopolitische Lage zurückzuführen: Die Schere bei den Familienreisen klafft vielmehr grundsätzlich immer weiter auseinander.

Den Gegenpol zu meist günstigeren erdgebundenen Reisen bilden hochpreisige Luxus-Familien-Fernreisen. Damit ändern sich auch die Ansprüche an eine passende Reiseversicherung. Und um beispielsweise die erste Kundenkategorie verstärkt anzusprechen, die mit Auto, Bus oder Zug verreisen, haben wir zu Beginn diesen Jahres unsere Produkte noch besser an die veränderten Bedürfnisse angepasst und attraktiver gemacht, wie zum Beispiel durch die Übernahme der Erstattungskosten bei Autopanne oder Unfall in der Reiserücktritts-Versicherung. Auch für das nächste Jahr sind weitere Produktanpassungen geplant.

Darüber hinaus haben wir sehr viel in einen Service investiert, mit dem wir unseren Kunden das ideale Rüstzeug für Krisensituationen und -destinationen zur Hand geben: Unsere Travel & Care App.

Die neue Service-App dient ERV-Kunden als konstanter Reisebegleiter. Sie übermittelt Reisenden mit Hilfe einer Warn-Funktionalität relevante Standort-Informationen und Sicherheitswarnungen, beispielsweise bei Streiks, politischen Unruhen oder Naturkatastrophen. Besonders kritische Informationen werden dem Reisenden zusätzlich per SMS zugespielt.

Darüber hinaus bietet die App Serviceinformationen zum Standort des Reisenden wie Notfallnummern, die nächstgelegenen Krankenhäuser, Apotheken und Botschaften. Eine weitere wichtige Applikation der App ist eine Bezahlfunktion bei ERV-geprüften Krankenhäusern. So muss der Kunde bei medizinischer Behandlung im Ausland nicht mehr finanziell in Vorleistung gehen.

Dieser Service wird kontinuierlich gemäß den Bedürfnissen der Reisenden ausgebaut. Im Juli wurde die App um einen Dokumentensafe für wichtige medizinische oder sonstige Reiseunterlagen erweitert. Ab November ist ein Medikamentenübersetzer geplant, der dem Kunden bei Eingabe eines deutschen Medikaments ein wirkstoffidentisches Äquivalent in den gewünschten Sprachen zur Verfügung stellt.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Stefan Schrödel, Head of Sales Development der ERV (Quelle: ERV)

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