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Beweislast wegen einer Infektion liegt beim Patienten

21.05.2015 – Paragraf_Thorben Wengert_pixelioFordert eine Patientin wegen einer Infektion nach einem Krankenhausaufenthalt Schmerzensgeld, muss sie einen schadensursächlichen Hygienemangel beweisen, selbst wenn während des Krankenhausaufenthalts vier weitere Patienten die gleichen Infektionen erlitten haben. Diese Anzahl rechtfertigt keine Beweislastumkehr zulasten des Krankenhauses, urteilte der 26. Zivilsenat des OLG Hamm (Az.: 26 U 125/13).

Eine 1963 geborene Klägerin litt an einem Darmtumor, der im Dezember 2009 operativ behandelt wurde. Im Bereich der Einstichstelle eines während der Operation gesetzten Katheters erlitt die Klägerin einen Abszess, der sich entzündete. Der Abszess musste daraufhin in der neurochirurgischen Abteilung einer anderen Klinik, in die die Klägerin verlegt wurde, operativ behandelt werden. Dabei ergab sich ein MRSA-Befund.

Vom beklagten Krankenhaus verlangte die Klägerin 30.000 Euro Schmerzensgeld, u.a. mit der Begründung, der Katheter und die Einstichstelle seien nicht hygienisch einwandfrei gepflegt und vorsorgt worden. Dabei behauptete die Klägerin, während ihres Aufenthalts im beklagten Krankenhaus sei es zu mindestens vier weiteren MRSA-Infektionen gekommen.

Die Schadensersatzklage der Klägerin ist erfolglos geblieben. Nach dem Einholen eines medizinischen Sachverständigengutachtens konnte das OLG Hamm keinen von dem beklagten Krankenhaus zu verantwortenden Behandlungsfehler feststellen. In Bezug auf die beanstandete Hygiene habe die Klägerin keinen Mangel nachgewiesen. Insoweit komme auch keine Umkehr der Beweislast unter dem Gesichtspunkt eines vom Krankenhaus voll beherrschbaren Geschehens in Betracht.

Nach den Angaben des Sachverständigen gebe es in Deutschland keinen medizinischen Standard, der jegliche Art von Infektionen ausschließe. Ein solcher Standard sei allenfalls theoretisch vorstellbar, im Klinikalltag aber praktisch nicht zu erreichen.

Im Übrigen könne auch ein Patient selbst Träger von MRSA-Keimen sein, sodass der Ausbruch einer MRSA-Infektion nicht von vornherein auf einen Hygienemangel schließen lasse. Ein solcher folge auch nicht aus vier weiteren MRSA-Infektionen während des Krankenhausaufenthalts der Klägerin. Entscheidend sei vielmehr der Einzelfall. Bezogen auf weitere Fälle von MRSA-Infektionen könne für ein Hygienedefizit sprechen, wenn etwa bei zehn Patienten auf der Station zur gleichen Zeit eine solche Infektion auftrete. (vwh)

Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

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