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Belgische Marianne rettet Junckers Kommissions-Equipe

08.09.2014 – FriedrichVon VWheute-Korrespondent Thomas Friedrich.

Die magische Zahl bei der Bildung der neuen EU-Kommission unter Leitung von Jean-Claude Juncker heißt 9. Neun Frauen musste der Luxemburger in seiner neuen 28-köpfigen Equipe mindestens aufbieten, um die letztlich entscheidende Wahl der Gesamtkommission im Europäischen Parlament im Oktober bestehen zu können. Parlamentspräsident Martin Schulz, der nur zu gerne selbst Kommissionspräsident geworden wäre, hatte diese Messlatte angelegt: Wenn nicht mindestens die Gender-Qualität, der noch bis Ende Oktober amtierenden Barroso-Kommission mit neun Frauen erreicht werde, drohte das EP mit Ablehnung der gesamten EU-Kommission.

Nach quälenden Wochen seit der Wahl von Luxemburgs langjährigem Premierminister bei den EP-Wahlen im Mai bekam Juncker nun das Quorum auf den letzten Drücker zustande. Belgien, seit den Wahlen -ebenfalls im Mai- mit quälender Suche nach einer tragfähigen, als “Kamikaze”-Regierung aus mehreren Parteien gebildeten Koalition, beschäftigt, erlöste Juncker letzte Woche mit einer belgischen “Marianne”.

Die belgischen Parteien ließen den ehrgeizigen bisherigen Außenminister Didier Reynders, der sich Hoffnung auf den begehrten Kommissionsjob gemacht hatte, außen vor und nominierten die flämische Christdemokratin Marianne Thyssen. Damit hat die 58-jährige Brüsseler Politikerin, die seit 1991 im Europäischen Parlament sitzt, beste Aussichten, wie VWheute in Brüssel erfuhr, entweder neue EU-Wettbewerbskommissarin oder EU-Binnenmarktskommissarin zu werden. Im zweiten Fall würde sie für die europäische Assekuranz über die wichtigen Dossiers Solvency II und die EU-Vermittlerrichtlinie das Sagen haben.

Die gelernte Juristin war in der belgische Regierung Staatssekretärin im Gesundheitsressort und verfügt über entsprechende Verwaltungserfahrung. Das letzte Wort im Brüsseler Postengeschacher ist aber noch nicht gesprochen. Zuerst hat Juncker die Namen der 27 Kandidaten an den Ministerrat am Freitag übermittelt, jedoch ohne Portfolios zu nennen. Erst nach dem Plazet des Rates will der neue Kommissionspräsident dann am kommenden Dienstag mit seiner Ressortverteilung aufwarten. Die “Neun” bleibt damit Junckers Schicksalsziffer.

Als unumstritten gesetzt gilt indess der Kandidat für das Gesundheitsdossier. Der ehemalige litauische Gesundheitsminister und Arzt, Vytenis Povilas Andriukaitis, wird neuer EU-Gesundheitskommissar. Dies erfuhr VWheute aus zuverlässiger Brüsseler Quelle. Mit dem Litauer Andriukaitis wird erstmals ein Arzt als EU-Gesundheitskommissar nominiert. Von 1969 bis 1975 studierte er Chirurgie am Kauno Medicinos Institutas und anschließend Geschichte an der Universität von Vilnius. Von 1976 bis 1984 arbeitete er als Chirurg in der litauischen Hauptstadt. Im Jahr 1980 absolvierte er eine Zusatzausbildung als Militärchirurg in  Riga. Der 63-jährige Andriukaitis brachte seine beruflichen Kenntnisse auch in die nationale Politik ein. Von 2012 bis 2014, bis zu seiner Nomierung im Sommer als Kommissionskandidat, war er Gesundheitsminsters und seit 1990 Abgeordneter im litauischen Parlament.

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