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Aufgewühltes Brasilien empfängt Kanzlerin Merkel

19.08.2015 – VW_Brasilien_Foto 2_HDI-Seguros_quelle TalanxKanzlerin Angela Merkel reist heute zu den ersten deutsch-brasilianischen Regierungskonsultationen in die brasilianische Hauptstadt, wo Hunderttausende gerade gegen Präsidentin Dilma Rousseff demonstrieren. 1.400 aktive deutsche Unternehmen kämpfen wie der Rest Brasiliens mit einem Wirtschaftseinbruch, hoher Inflation und Korruption. Die Zeiten der überproportionalen Wachstumsraten der Versicherungsbranche sind vorbei.

Mittelpunkt der Gespräche in Brasilia stünden die Themen Wissenschaft, Technologie und Innovation sowie die Zusammenarbeit im Umwelt- und Klimabereich, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz mit. Es soll eine Reihe von Abkommen unterzeichnet werden. An den Konsultationen nehmen Frank-Walter Steinmeier (Außen/SPD), Hermann Gröhe (Gesundheit/CDU), Barbara Hendricks (Umwelt/SPD), Christian Schmidt (Landwirtschaft/CSU), Alexander Dobrindt (Verkehr/CSU) und Gerd Müller (Entwicklung/CSU) teil.

Der Bundesverband erwarte konkrete Ergebnisse von dem Treffen. “Zu den Prioritäten unserer Unternehmen gehört die schnelle Wiederaufnahme von Verhandlungen über ein bilaterales Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung. Dies würde die Rechtssicherheit für Unternehmen verbessern und Investitionen erleichtern”, sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Aus wirtschaftlicher Perspektive ist Brasilien das für Deutschland wichtigste Land in Südamerika – mit rund 1.400 dort aktiven deutschen Unternehmen. Ein Treffen mit den Oppositionsvertretern wird es nicht geben, doch den Unmut der Bevölkerung über die Regierung von Präsidentin Dilma Rouseff wird Angela Merkel nicht übersehen.

In 260 Städten haben am Sonntag Demonstrationen gegen Rousseff stattgefunden. Nach einer Umfrage fordern zwei Drittel der Brasilianer ihre Amtsenthebung. Hintergrund der Proteste ist der milliardenschwere Korruptionsskandal beim Staatskonzern Petrobas, der für Arbeiten von Subunternehmen sowie für Zukäufe systematisch zu hohe Kosten ausgewiesen und die Differenz zu den tatsächlichen Preisen an politische Parteien geschleust habe – darunter auch die Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff, die von 2003 bis 2010 als Verwaltungsratschefin die Petrobras-Aufsicht leitete.

Doch die Krise ist vor allem wirtschaftlicher Natur. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas steckt in der längsten Rezession seit Jahrzehnten. Das BIP werde bis Ende des nächsten Jahres um ein Drittel gegenüber 2011 gesunken sein, schätzt die spanische Bank BBVA. Nach dem Rohstoffboom der vergangen Jahre unter Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva konnte seine Ziehtochter Rousseff das rein auf Konsum ausgerichtete Wirtschaftsmodell Brasiliens nicht aufrechterhalten. Die Politik habe während des Aufschwungs versäumt, in Infrastruktur, Ausbildung und ins Gesundheitswesen zu investieren, sagt Wolfram Anders, Präsident der deutsch-brasilianischen Handelskammer, im Deutschlandfunk.

Die Inflation steuert nun auf zehn Prozent zu, das Staatsdefizit übersteigt acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Real hat sei Jahresanfang rund ein Viertel seines Wertes gegenüber dem Dollar verloren und dürfte bei einer wahrscheinlichen US-Zinswende erneut unter Druck geraten. Die Zentralbank hat gerade erneut die Zinsen auf den weltweiten Rekord von 14,25 Prozent erhöht.

In diesem Umfeld halten sich die Unternehmer mit Investitionen zurück und Konsumenten sparen, weil sie überschuldet sind. Darunter leidet auch die Versicherungsbranche, die aufgrund der wachsenden Mittelschicht zuletzten noch zweistellige Wachstumsraten pro Jahr verzeichnete, wie VWheute berichtete. Erste Einschnitte verzeichnet bereits das Neugeschäft der Kfz-Versicherer, weil der Konsum im Automobilbereich allein um rund 20 Prozent in diesem Jahr eingebrochen ist. Ohnehin hat sich die Versicherungsdurchdringung zwischen 2003 und 2013 in der Kfz-Sparte kaum verändert (von 0,6 Prozent auf 0,7 Prozent des BIP), obwohl sich in diesem Zeitraum die Anzahl der Autos auf den Straßen verdoppelte. (vwh/dg)

Bild: Die Talanx-Tochter HDI Gerling unterhält Einheiten in Brasilien unter HDI Seguros. (Quelle: Talanx)

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