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Artus Gruppe warnt vor Hürden für deutsche Baufirmen in Frankreich

16.04.2014 – frankreich-flagge-150Deutsche Baufirmen und Handwerks-Betriebe, die sich an Ausschreibungen in Frankreich beteiligen, müssen aufgrund der dortigen komplexen gesetzlichen Regelungen bei dem nachzuweisenden Versicherungsschutz mit komplizierten Hürden rechnen. Darauf weist die Artus Gruppe mit Sitz in Baden-Baden hin. Betroffen sind unter anderem auch Baumaßnahmen für erneuerbare Energien.

Für Neubauten sowie Renovierungsmaßnahmen im Nachbarland, braucht jeder  Hersteller eines Bauwerks oder daran Beteiligter eine sogenannte „Decennale“. Das ist eine Pflichtversicherung mit zehnjährigem Versicherungsschutz, die mit der Abnahme des Bauwerks beginnt, aber bereits vor Baustart im Rahmen der Vertragsverhandlungen nachgewiesen werden muss. Im französischen Bürgerlichen Gesetzbuch („Code Civil“) ist festgelegt, dass jeder Hersteller eines Bauwerks oder daran Beteiligter zehn Jahre lang vollumfänglich gegenüber Auftraggebern und Käufern für Schäden und Mängel haftet.

Eine Besonderheit besagt, dass für Maßnahmen der Infrastruktur und der Industrie, zum Beispiel Brücken, Straßen, Schienenwege, Flughäfen oder Lagerhallen zwar die zehnjährige Haftung besteht, jedoch keine Versicherungspflicht. Hier aber liegt die Crux: Biokraftanlagen sind durch die aktuelle Rechtsprechung als Industriebauten eingestuft und damit ebenfalls von der Versicherungspflicht ausgenommen. Obwohl das so ist, kommt es häufig vor, dass französische Auftraggeber die „Decennale“ vertraglich verlangen. Die Versicherer wiederum verweigern die zehnjährige Gewährleistungsdeckung mit der Begründung, dass keine Verpflichtung dafür bestehe. Photovoltaikanlagen werden dagegen versichert, sofern die Solarmodule feste Bestandteile des Dachs sind und somit der Pflichtversicherung unterliegen.

Auch für die immer stärker nachgefragten Versicherungen für Bauvorhaben bei erneuerbaren Energien und beim ökologischen Hausbau gilt die „Decennale“-Haftung. Allerdings weisen die französischen Versicherer kaum Erfahrungen bei diesen modernen Technologien auf und halten sich daher auch hier bei der Gewährung von Versicherungsschutz zurück. Für die Baufirmen ist das ein Dilemma: Denn einerseits wird vom Auftraggeber der Nachweis hochwertigen Versicherungsschutzes verlangt, andererseits scheuen sich die französischen Assekuranzen, adäquate Deckungszusagen zu geben. Und das bei weit reichenden Risikoprüfungen und behördlichen sowie unternehmensrechtlichen Vorgaben für deutsche Baufirmen.

Die Bedeutung der „Decennale“ zeigen die Schadenzahlen. Insgesamt wurden in 2012 in Frankreich ca. 118.000 Schäden gemeldet. Davon betroffen waren u.a. zu rund 40 Prozent Bauunternehmen, 35 Prozent Handwerker, sieben Prozent Technische Planungsbüros und vier Prozent Architekten. (vwh)

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