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Aktuare üben harte Kritik an Eiopa-Stresstest

19.12.2016 – Schneemeier_DAVDeutsche Lebensversicherer würde eine lange Niedrigzinsphase deutlich härter treffen als die meisten ihrer europäischen Wettbewerber. Zu diesem Stresstest-Ergebnis kam die Eiopa letzte Woche. Dass dieses nur wenig überrascht, glaubt Wilhelm Schneemeier, Vorstandschef der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Im Grunde hätten die Aktuare hierfür gar nicht rechnen müssen.

Für den Stresstest hat Eiopa zwei Szenarien vorgegeben, anhand derer die Widerstandsfähigkeit der Versicherer analysiert werden sollten. In diesen wurde eine drastische Verschlechterung der Kapitalmärkte und der zukünftigen Zinsentwicklung angenommen. Diese Annahmen gingen laut DAV deutlich über das ohnehin schon extrem hohe Sicherheitsniveau hinaus, das von Solvency II gefordert sei. Bereits unter diesem müssten die Versicherer sicherstellen, dass ihre Eigenmittel innerhalb eines Jahres in höchstens einem von 200 Fällen nicht ausreichend wären.

“Inwiefern in einem stark regulierten Markt wie dem Versicherungssektor der Eiopa-Stresstest zusätzliche Erkenntnisse liefert, ist für uns nicht ersichtlich”, erklärt Schneemeier. Eiopa habe das zentrale Ziel verfehlt, eine makroökonomische Analyse vorzunehmen. “Denn dafür genügt es nicht, sich nur auf die Versicherungsunternehmen zu konzentrieren”, erklärt der DAV-Chef.

Langfristerwartungen an den Zins seien auch für andere Marktsegmente von großer Bedeutung. So hätte eine lang andauernde Tiefzinsphase auch Auswirkungen auf Industrieunternehmen oder internationale Vorsorgeeinrichtungen. Für eine adäquate Bewertung der Finanzmarktstabilität eines gesamten Wirtschaftsraums muss nach Ansicht des DAV-Vorstandsvorsitzenden die wirtschaftliche Situation aller wesentlichen Marktteilnehmer berücksichtigt werden. (vwh/mst)

Bild: Wilhelm Schneemeier, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV)

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