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AGV vs. Ver.di – Unterschiedliche Sicht auf die Branchenlage

23.03.2015 – verdi_demo_ka_kaspar_150Bis 18.00 Uhr haben am vergangenen Freitag der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) und die Gewerkschaften Ver.di, DHV und DBV in Karlsruhe über die Anhebung der Löhne für die rund 173.000 Innendienst-Angestellten verhandelt.

Zum Auftakt der Tarifrunde 2015/2016 ging es allerdings nicht um ein konkretes Angebot der Arbeitgeber, sondern zunächst um eine Analyse der volkswirtschaftlichen Lage in Deutschland und der wirtschaftlichen Entwicklung der Versicherungswirtschaft. Für die Arbeitgeber trug der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, vor. Er wies auf die erheblichen Finanzmarktrisiken und auf die gesamtwirtschaftlichen Probleme durch die zu niedrige Inflation hin: „Eine reale Verzinsung ist derzeit nicht identifizierbar“.

Ver.di-Chefökonom Dierk Hirschel teilte die vorsichtige Einschätzung Hüthers nicht. Er sagte: „Ein starker privater Konsum erfordert starke Lohnzuwächse.“ Den verteilungsneutralen Spielraum für die Gesamtwirtschaft bezifferte Hirschel auf 3,5 Prozent, bestehend aus 2 Prozent Zielinflationsrate der EZB und 1,5 Prozent „Trendproduktivität“. Hinzu käme eine Umverteilungskomponente von zwei Prozent.

AGV-Geschäftsführer Michael Gold gab einen Überblick über die Versicherungsbranche: Zwar habe die Schaden- und Unfallversicherung gut abgeschnitten, dennoch betrage das Wachstum der deutschen Versicherungswirtschaft im letzten Jahr – ohne die Einmalbeiträge in der Lebensversicherung, die nicht Grundlage einer linearen Tariferhöhung sein könnten – insgesamt nur 1,1 Prozent. Er appellierte an die Gewerkschaften, einen Abschluss mit Augenmaß mitzutragen, da ansonsten die Beschäftigungsstabilität – seit 2009 liege die Zahl der Innendienst-Angestellten konstant über 160.000 – nicht gewährleistet sei.

AGV-Verhandlungsführer Josef Beutelmann und seine Kollegen widersprachen der Analyse Hirschels vehement. Die aktuelle Inflation betrage 0,1 Prozent, die Zielinflationsrate der EZB von 2,0 Prozent habe deshalb keine Relevanz. Wesentlich wichtiger sei, dass zehnjährige Anleihen des Bundes bei der letzten Tarifrunde 2013 noch mit rund 2 Prozent verzinst worden seien, während ihr Zins aktuell gegen Null tendiere.

Die Verhandlungen gehen am 28. April weiter. (vwh)

Bild: Verdi-Demonstranten vor dem Verhandlungsort in Karlsruhe. (Quelle: Kaspar)

Link: Siehe DOSSIER.

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