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Werden die Versicherungen den Banken die Spareinlagen streitig machen?

26.05.2014 – standard_and_poor_Joppen_R_Volker Kudszus_150Von Volker Kudszus, Director, Standard & Poor’s Insurance Ratings

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase machen sich Bank- und Versicherungskunden immer mehr Gedanken, bei welchen Finanzinstituten und in welche Anlagekategorien sie ihre Ersparnisse im Spannungsfeld von Rendite, Risiko und Laufzeit anlegen sollen. Setzt man die angebotenen Zinssätze für Spareinlagen ins Verhältnis zur aktuellen Inflationsentwicklung, so kommt man zu der Erkenntnis, dass die Zinserträge oftmals fast vollständig von den Preissteigerungsraten aufgezehrt werden und damit den realen Kapitalerhalt bedrohen.

Vor diesem Hintergrund ist Standard & Poor’s der Überzeugung, dass Versicherer den Banken direkte Konkurrenz um Kundengelder machen. Denn insbesondere die Mittel für Familienabsicherung und private Altersvorsorge machen Banken Spareinlagen streitig.

Die traditionelle Lebensversicherung hat mit einem niedrigen Garantiezins i.H.v. 1,75 Prozent für Neuverträge an Attraktivität verloren. Dennoch ist die in Deutschland aktuell gutgeschriebene Gesamtverzinsung, Garantiezins plus laufende Überschussbeteiligung, komfortabel höher als die aktuelle Verzinsung von Spareinlagen.

Fristigkeit und Risikoabdeckung sind oftmals wesentliche Unterschiede von Versicherungsprodukten im Vergleich mit kurzfristigen Spareinlagen bei Banken. Üblicherweise werden frei werdende Gelder aus fällig gewordenen Lebensversicherungen direkt auf entsprechende Bankkonten überwiesen. Wir sehen aber eine kontinuierliche Ausweitung an Angeboten der Versicherer, mit denen diese Gelder im Unternehmen gehalten werden sollen. So bieten verschiedene Versicherer bereits Produkte mit jährlicher Zinsgutschrift bei einer Mindestlaufzeit von drei Monaten als eine direkte Alternative zu Sparformen von Banken an.

Aufgrund der unterschiedlichen Fristigkeit sind Lebensversicherungen eher im Ausnahmefall in direkter Konkurrenz zu Spareinlagen bei Banken. Unsere Volkswirte erwarten bis Ende 2015 weiter graduell steigende, langfristige Zinsen. Ein Bankkunde, der sein Guthaben kurzfristig verfügbar behalten möchte, würde sich bei ähnlicher Zinsprognose aus reinen Renditegesichtspunkten also nicht für eine Lebensversicherung entscheiden. Andererseits sieht der Kunde mit einem Bedürfnis nach finanzieller Absicherung der Familie im Invaliditäts- oder Todesfall in der Lebensversicherung eher das passende Produkt. Auch bieten nur Versicherer Garantien für eine lebenslang auszahlbare Rente, also die Absicherung des so genannten Langlebigkeitsrisikos. Wir gehen davon aus, dass Kunden trotz Niedrigzinsumfelds weiterhin in ihre Altersvorsorge investieren. Bei einem langfristigen Anlageziel dürften steuerliche Vorteile ebenfalls eine Rolle spielen.

Für uns als Ratingagentur steht das Thema Finanzstärke und Kreditwürdigkeit im Vordergrund. Aus unserer Sicht sollte gerade für langfristige Anlageformen wie Lebensversicherungen die nachhaltige Finanzstärke des Anbieters ein wesentlicher Entscheidungsfaktor sein. Die von Standard & Poor’s bewerteten deutschen Versicherer und Banken verfügen über Ratings auf einem recht ähnlichen, starken Niveau von durchschnittlich ‚A‘ bzw. ‚A-‘. Im Sektor insgesamt bestehen jedoch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherern und Banken, und es gibt eine nicht unerhebliche Anzahl ohne Rating von S&P, über deren Finanzstärke wir keine Aussage treffen können.

Zusammenfassend können wir also von einer gewissen Konkurrenz zwischen Banken und Lebensversicherern um Kundengelder sprechen. Allerdings bedienen Banken eher kurzfristige, flexible Sparziele, wohingegen Vorsorge und Risikoabsicherung eher für Lebensversicherer den Ausschlag geben können. Mehr Konkurrenz gibt es dann nur noch zwischen einzelnen Produktanbietern innerhalb der jeweiligen Branche. Im Kontext eines sich langsam erholenden Zinsniveaus erwarten wir nicht, dass es zu starken Verschiebungen der Kundengelder zwischen Banken und Lebensversicherern kommen wird. Es ist davon auszugehen, dass die Relationen grosso modo erhalten bleiben. Die Konkurrenz um Kundengelder fördert aber attraktivere Produkte auf beiden Seiten, letztendlich also ein Gewinn für den Kunden.

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