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Wagner: “Grenzen werden verschwimmen”

30.09.2015 – Wagner_VERS_LeipzigIst Nachhaltigkeit im Versicherungsunternehmen nice to have oder gehört sie zum Kerngeschäft der Versicherer? Welche Werte sich Versicherer angesichts Technisierung, Regulierung und Risikoentwicklung bewahren sollten, darum geht es heut bei der Vorstandskonferenz der Versicherungswirtschaft. Organisator Fred Wagner geht im exklusiven Interview mit VWheute in die Details der Agenda.

VWheute: Wie haben sich die Vorzeichen für Versicherergeschäft LVRG & mit Solvency, Niedrigzins, Digitalisierung geändert?

Fred Wagner: Die aktuellen Herausforderungen machen es erforderlich, dass sich die Ausgestaltung Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft immer mehr auch um Nachhaltigkeit drehen müssen. Was sollten sich die Versicherer bewahren? Wo müssen sie sich ändern? Dem wollen wir bei der Vorstandskonferenz mit einem Impuls von außerhalb der Branche nachgehen.

Wolfgang Große Entrup, der bei der Bayer AG den Konzernbereich Umwelt und Nachhaltigkeit verantwortet, bringt die nachhaltige Entwicklung in direkten Zusammenhang mit dem Kerngeschäft. Versicherer sehen sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, nur das kurzfristige Geschäft im Auge zu haben und beispielsweise Schadenzahlungen zu umgehen. Wir glauben, dass die Versicherer im Großen und Ganzen faire Partner ihrer Kunden sind und auf langfristig gute Beziehungen abstellen, aber das kann sicher auch noch überzeugender dargestellt werden – etwa in einer nachhaltigen Produktentwicklung und Kommunikation.

VWheute: Welche Impulse erwarten Sie sich hier von der Vorstandskonferenz?

Fred Wagner: Wir wollen im Austausch zwischen Theorie und Praxis aktuelle Branchenthemen und auch Problemstellungen jenseits des Alltags reflektieren. Das soll zur Schärfung des Fokus beitragen. Konkrete Lösungen erarbeiten die Unternehmen für sich.

VWheute: Wo sehen Sie die Versicherungswirtschaft in fünf Jahren?

Fred Wagner: Grenzen verschwimmen. Das beginnt bei der Frage von persönlicher oder elektronischer Kundenbetreuung und geht bis hin zur Unterscheidung, wer als Substitutionskonkurrent der Versicherer auftritt und wer als Partner. Denken Sie nur an Outsourcingfragen und an Fintech-Startups, die sich zwischen Versicherer und Kunde oder Vertrieb und Kunde schieben und Teile der Wertschöpfungskette neu organisieren.

Auch die Auswirkungen, wenn Marktgiganten wie Google ihr Engagement im Versicherungsgeschäft vertiefen, sind noch nicht abzusehen. Was dagegen sicher ist: Die Funktion “Versichern” wird es immer geben. Wer versichert, wird sich das Geschäft von der Bafin genehmigen lassen und damit der Regulierung unterwerfen müssen und ist damit de facto ein Versicherer.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Fred Wagner ist Inhaber des Lehrstuhls für Versicherungsbetriebslehre und Vorstandsvorsitzender im Institut für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig. (Quelle: Privat)

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