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VW-Skandal überschattet IAA-Auftakt

22.09.2015 – David Gorr IAA  VW - Quelle GorrFrankfurt ist diese Woche das Mekka der Autoenthusiasten. VWheute-Redakteur David Gorr berichtet vor Ort. Schwerpunkt der 66. Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) sind weniger PS und Blech als vielmehr Bits und Bytes, vor allem auf dem dafür eigens neu eingerichteten Ausstellungsbereich “New Mobility World”. Doch seit Montag dreht sich alles um den VW-Abgas-Skandal. Die Wolfsburger verlieren 16 Mrd. Euro an Börsenwert.

Riesenandrang an den ersten Publikumstagen: Hundertausende strömen auf das Gelände, um sich über Neuheiten in der Branche zu informieren. Die Branche feiert sich. Doch am VW-Stand wird nur über die Personalie des Konzernchefs diskutiert.

Nach dem Machtkampf mit Ferdinand Piëch verbreitete VW-Chef Martin Winterkorn zum Auftakt der IAA in Frankfurt endlich Aufbruchsstimmung. Merkel legte er einen Tiguan GTE mit Plug-in-Hybrid ans Herz. “Das wäre ein Auto für sie.” Seit dem Wochenende wackelt sein Stuhl. Durch die gezielte Manipulation von Emissionswerten bei Diesel-Fahrzeugen in den USA drohen Strafen in Milliardenhöhe, vor allem aber ein enormer Ansehensverlust.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh fordert Konsequenzen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der auch im Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns sitzt, bezeichnete den Schwindel bei Abgaswerten als “völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen”.

Derweil geht die Show auf Europas größter Automesse weiter. Statt neue Modelle zu präsentieren, diskutieren die Hersteller lieber über die “New Mobility World” in Halle 3.1, wo erstmals mehr als 180 Aussteller, darunter IT-Konzerne wie SAP und IBM sowie über 50 Start-ups, ihre Ideen zum autonomen Fahren vorstellen.

Nicht ob, sondern wann. Experten überschlagen sich in Prognosen, wann diese Roboterfahrzeuge die Straßen beherrschen. Die digitalen Revoluzzer wie Tesla, Apple und Google diktieren derzeit das Tempo. “Es ist wie beim Iphone, sobald das erste selbstständig fahrende Auto auf dem Markt kommt, ziehen alle nach”, erklärt Alon Atsmon, Vice President Technology Strategy von Harman International, im Rahmen einer Dikussionsrunde. Einen Seitenhieb auf die Pläne vom Silicon Valley konnte sich Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, gestern nicht verkneifen: “Ich glaube Google, wenn sie sagen, nicht  Automobilhersteller werden zu wollen. Aber Apple und Google wollen an die Daten und damit ins Zentrum der Wertschöpfungskette der Zukunft.”

Das zentrale Argument der Befürworter von Roboterautos ist die Sicherheit. “Die Zahl der Verkehrstoten in den USA ist so groß, als ob an fünf Tagen in der Woche jeweils eine Boeing 737 abstürzen würde”, sagte Chris Urmson, Chefentwickler des Google Cars, welches bereits Menschensignale durch eine 3D-Lasertechnik identifizieren kann.

Der Sicherheitsaspekt als Treiber ist gleichzeitig das größte Probleme der Versicherer beim risikolosen Fahren. “Es wird weniger zu versichern geben, weil die Unfallrate sinkt”, prophezeit Peter Fuß, Senior Advisory-Partner für das Automotive-Team von Ernst & Young in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (dg)

Bild: VWheute-Redakteur David Gorr auf der IAA in Frankfurt. (Quelle: David Gorr)

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