Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Viele Versicherer setzen auf Kompaktpolicen”

12.02.2016 – Christian von Goeler_Stefan_Peters_Best_Gruppejpg - Windows-FotoanzeigeDas mittelständische Gewerbe hat bei seinem Versicherungsschutz ganz spezielle Anforderungen. Es gilt für jeden Kunden die richtige Passform des Versicherungsschutzes zu finden, erklären die Geschäftsführer der Best Gruppe, Stefan Peters und Christian von Göler im Interview mit VWheute. Die Marktentwicklung beobachten die Makler daher mit “wachsender Vorsicht”, denn die Versicherer setzten zunehmend auf Kompaktpolicen.

VWheute: Wie entwickelt sich der Versicherungsmarkt für das mittlere Gewerbe produktseitig? Welche Trends beobachten Sie hier?

Stefan Peters, Christian von Göler: Bemerkenswert ist, dass viele Versicherer auf Kompaktpolicen setzen, die im Übrigen für den vereinfachten Absatz auch zielführend sein können. Doch werden damit tatsächlich die individuellen Bedürfnisse des Betriebes gedeckt? Werden Makler damit tatsächlich ihrer Verantwortung gerecht? Es muss klar sein: Eine Kompaktpolice ist wie ein Anzug von der Stange in Größe X in der Farbe Y von dem Hersteller Z. Schnitt, Stoff und Farbe müssen nicht schlecht sein. Aber mit idealer Passform hat das wenig zu tun. Bei einem Anzug ist das nicht dramatisch. Aber sitzt der Versicherungsschutz nicht richtig, dann hat das im Schadenfall weitreichende Konsequenzen für die Existenz des Unternehmers.

Wir sehen diese Entwicklungen mit wachsender Vorsicht. Wenn man versucht, gewerblichen Versicherungsschutz ähnlich privatem Versicherungsschutz so weit gleichförmig zu gestalten, dass er sozusagen durch jeden IT-Prozess und jede Öse passt – also Hauptsache massentauglich -, dann ist das ganz weit weg von unserem Auftrag – nämlich für unsere Mandanten die passendste Versicherungslösung zu bieten. Der Bäcker oder Kfz-Meister ist nun einmal nicht mit demjenigen von vor 20 Jahren zu vergleichen. Die Welt ist vielschichtiger und facettenreicher geworden. Das muss sich auch in den Konzepten der Versicherer wieder finden.

Eine mögliche Lösung könnte der modulare Aufbau von Policen sein, der auch technisch einfach umsetzbar ist. Versicherungslösungen, die wie ein Baukastensystem zusammen gesteckt werden können und für den Kunden eine „richtige“ Lösung ergeben.

Gesamtheitlich betrachtet ist die Innovationskraft der Versicherer auf Produktebene gedämpft. Und doch ist Bewegung erkennbar. Der Veränderungsdruck kommt auch aus den Reihen der Makler. Ein Beispiel: Während die Absicherung bei Berufsunfähigkeit oder Unfall für z.B. Handwerker früher kaum bezahlbar war, machen die Versicherer heute Zugeständnisse und bieten bezahlbare Lösungen.

Werfen wir einen Blick auf die Risiken, die den Mittelstand laut Studien beschäftigen, so rangieren auf den Top-Drei-Positionen „Marktentwicklungen“, „Betriebsunterbrechung“ und „Cyber“. Das spiegelt sich auch in unseren Gesprächen wieder. Wir verzeichnen ferner zunehmende Nachfrage nach Rechtschutzlösungen inkl. Vertragsrechtschutz, Spezialstrafrechtschutz in Verbindung mit D&O sowie Bürgschaften über Versicherungslösungen. Letzteres ermöglicht den Unternehmen, unabhängig von Banklösungen zu sein.

VWheute: Gerade für kleine und mittlere Betriebe kann ein Schadenfall schnell zur Existenzfrage werden. Die schnelle Schadenregulierung ist daher für dieses Kundensegment von zentralster Bedeutung. Wie funktioniert die unbürokratische Regulierung in der Praxis und gibt es noch Optimierungsbedarf?

Stefan Peters, Christian von Göler: Eine gute Schadenregulierung beginnt mit der bedarfs- und risikogerechten Analyse des benötigten Versicherungsumfangs. Hierbei spielt auch das „Risiko vermeiden“ vor dem „Risiko versichern“ eine Rolle – also das Abstellen von Risiken unter Kosten-Nutzenaspekten vor dem Einkauf des Versicherungsschutzes.

Grundlage für eine unbürokratische Regulierung sind die unmittelbare Schadenmeldung sowie die schnelle und umfassende Schadenaufnahme vor Ort – soweit erforderlich mit Sachverständigem und Schadenregulierer. Als Makler begleiten wir den Kunden von Anfang bis Ende. Wir leiten proaktiv die richtigen Schritte ein, tragen dafür Sorge, dass die für die Regulierung notwendigen Unterlagen zeitnah beschafft werden, übermitteln diese an den Versicherer und klären Rückfragen, so dass schließlich eine versierte Schadenregulierung erfolgen kann. Das Herbeiführen von etwaig existenzsichernden A-Konto Zahlungen kann auch nur erfolgen, wenn der Makler dem Versicherer plausibel machen kann, dass dies keine verlorenen Zahlungen sind.

Natürlich ist das Zeitfenster vom Ereignis bis zur Regulierung auch von Schadenhöhe und Komplexität des Schadens abhängig. Vor allem bei großen Schäden müssen zahlreiche Parameter geprüft werden, was richtig und wichtig ist. Das geht dem Kunden und uns zuweilen nicht immer schnell genug und wäre ein Aspekt, der Optimierungspotenzial birgt.

Grundsätzlich sind wir mit der Zusammenarbeit mit den Versicherern zufrieden. Hier kommt sicherlich auch der langjährige, vertrauensvolle Kontakt zwischen den Gesellschaften, den Schadenbearbeitern und uns zum Tragen.

VWheute: Ein großes Thema in der Versicherungsbranche ist die Verbreitung der bAV in den mittelständischen Betrieben. Wie ist hier der aktuelle Status quo, wie ist das Kundeninteresse an bAV-Lösungen und welche Hemmschwellen erschweren den Vertrieb?

Stefan Peters, Christian von Göler: Eine jüngst veröffentliche Studie spricht von Stagnation aufgrund fehlender finanzieller Reserven der Arbeitnehmer für die Entgeltumwandlung, geringem Interesse der Arbeitnehmer an Vorsorge, fehlender finanzieller Beteiligung des Arbeitgebers oder aber von wenig attraktiven bAV-Produkten.

Unsere Erfahrungen sind zweigeteilt. Einerseits wird häufig publiziert, die bAV hätte einen zu geringen Wirkungsgrad. Insbesondere die Rendite wird bemängelt. Andererseits ist die Flexibilität und Variabilität der bAV über alle Durchführungswege vielfach nicht bekannt. Schließlich kommt hinzu, dass ein Großteil der Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer in der Vergangenheit durch mangelhaft aufgebaute Versorgungswerke mitunter wenig positive Erfahrungen gemacht haben.

Die Erfolgsquote in den Unternehmen hängt stark von der Einstellung und Unterstützung der Geschäftsleitung ab. Ausschlaggebend sind – neben einer finanziellen Bezuschussung -, wie passend die Durchführungswege und Produkte für das Unternehmen und die Belegschaft ausgewählt werden, wie nachhaltig begleitet wird und – was nicht zu vergessen ist – wie Arbeitnehmer informiert werden bzw. ihnen vermittelt wird, welche Bedeutung Vorsorge hat.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteurin Julia Kolhagen.

Bild: Christian von Göler (l.) und Stefan Peters sind beide Geschäftsführer der Best Gruppe. (Quelle: Best Gruppe)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten