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Versicherer: Telematik-Daten sind notwendig

19.10.2015 – Telematik_GDVKfz-Versicherer brauchen die realen Fahrdaten ihrer Kunden, um künftig differenzierter kalkulieren zu können. Diese Ansicht vertritt Christoph Lüer, Leiter Product Management Motor bei der Zurich Versicherung. Die Bedeutung klassischer Risikokriterien würde künftig deutlich abnehmen. Der Trend zum selbstfahrenden Auto führe dazu, dass es immer “weniger zu versichern” gebe.

Die Schadenfrequenz würde zudem deutlich abnehmen und die Zahl der Blechschäden weiter sinken. “Wir beschäftigen uns bald nur noch mit Personenschäden”, sagte Lüer auf der MCC-Konferenz “Mobilität, Telematik und Fahrerassistanz-Systeme” in Köln. Der Druck auf die Risikoselektion werde deutlich zunehmen.

Lüer ist sich sicher, dass künftig auch Versicherer, Autoclubs und andere Dienstleister Zugriff auf Fahrdaten erhalten können. “Die Kfz-Hersteller werden künftig nicht mehr die freie Hand haben, wie heute”, so der Versicherungsexperte. Moralisch würden die Daten den Autobesitzern sowieso gehören. Die Entscheidung, wer Zugang zu den Daten erhalte, werde aber politisch in Brüssel entschieden.

Um einen echten Telematik-Tarif zu entwickeln, braucht man nicht unbedingt Zugriff auf die Rohdaten, sagt Dirk Vogler, Produktmanager bei der VHV. “Wir haben eine Rechenformel entwickelt, mit unser Dienstleister ganz einfach einen Score für den jeweiligen Kunden errechnen kann”, so Vogler. Die realen Fahrdaten verblieben somit beim Kooperationspartner Telekom. Die Datensicherheit sei über den gesamten Prozess der Erhebung bis zum Kundenportal gewährleistet.

“Unser Dienstleister bedient auch die Finanzbehörden in Norddeutschland”, so Vogler. Höchster Datenschutz gelte zudem für die Kunden-App. Seit Oktober bietet die VHV einen Telematik-Tarif mit einem GPS-Stick an, der im Auto einfach in die Steckdose gesteckt wird. Ähnliche Angebote gibt es auch von er Itzhehoer, der Axa, der S-Direkt und der Signal-Iduna. Vogler: “Wir müssen die realen Fahrdaten unseren Kunden zu Verfügung stellen. Es gilt eine Auskunftspflicht.”

In welchem Umfang die VHV beispielsweise für einen Schaden haftet, der entsteht, wenn die App-Daten widerrechtlich in fremde Hände fallen, konnte Vogler nicht sagen. Dafür müsse der konkrete Schaden analysiert werden. Den VHV-Telematik-Höchstrabatt von 30 Prozent können übrigens Kunden, die auf dem Land wohnen, gar nicht erreichen.

Der Grund liegt laut Versicherer darin, dass die Fahrt über eine Landstraße als risikoreich negativ bewertet wird. “Wir haben unseren Tarif daher gewichtet”, so Vogler. Gute Fahrer könnten, auch wenn sie bei Weg zur Arbeit auf die Nutzung von Landstraßen angewiesen seien, immerhin 20 Prozent Nachlass erreichen. (usk)

Bildquelle: GDV

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