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Versicherer kämpfen mit ihren Altsystemen

08.12.2015 – Digitalisierung_GDVDie digitale Revolution macht vor den Landesgrenzen nicht halt, stellte man gestern auf einer internationalen Konferenz von Sollers Consulting und Guidewire fest. Vor allem das hohe Innovationstempo stellt für die Versicherer eine Herausforderung dar. “Es fällt schwer innovativ zu sein, wenn Time to Market eines Produktes länger als zwölf Monate dauert”, sagte Michal Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting.

In Reaktion auf die Erneuerungswellen aus dem Silicon Valley bemühen sich die Versicherer um Antworten. Doch meist bleibt es bei Insellösungen. “Der Online-Service ist häufig schlechter als der Offline-Service, überall auf der Welt”, berichtete gestern Marcus Ryu, CEO von Guidewire. Der Software-Anbieter aus dem Süden von San Francisco hat Kunden in mehreren Ländern zu ihren Service-Wünschen im Versicherungsbereich befragt. Nirgendwo können die Versicherer mit den Services der etablierten Online-Händler mithalten, ergab die Studie.

“Die größte Limitation ist die geringe Flexibilität der Podukte und das ist eingeschrieben in die Systeme“, merkte Guidewire-Chef Ryu an. “Die alten Systeme waren vor 14 Jahren nicht gut und das ist heute noch der Fall.” Aktuell stellt die Zurich Deutschland auf Guidewire um. Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und Kosten zu senken. Das Projekt wird mindestens zwei Jahre dauern. “Die größte Herausforderung ist die Geschwindigkeit“, sagte Horst Nussbaumer, COO der Zurich Deutschland. “Sie ist viel größer geworden.”

Big Data und Telematik sind zugleich eine Chance. Vor allem die Potenziale aus dem Connected Home sind von den Versicherern bislang nicht erkannt worden, merkte Sollers-Partner Michal Trochimczuk an. “78 Prozent der Kunden sind bereit, Daten an einen Versicherer weiterzugeben, wenn sie dafür eine günstigere Prämie bekommen”, sagte der IT-Berater.

Ebenfalls im Fokus stand zudem das Zukunftsthema Digitalisierung. Auf deren Herausforderung wollen die Versicherer mit neuen Partnern und neuen Produkten reagieren, stellten die Teilnehmer fest. Vor allem die Geschwindigkeit der Innovationen bereitet den Versicherern Kopfzerbrechen. “Wir nutzen viele Kundendaten nicht, die wir haben, weil wir es nicht können”, konstatiert Anna Fleming, Programmdirektorin der Zurich UK. “Die Versicherer haben sehr viele Assets, Leute, Systeme, Kapital. Aber jetzt empfinden sie das immer mehr als Last”, ergänzt Marcus Ryu von Guidwire.

Einen kulturellen Wandel prognostiziert Nussbaumer: “Wir entwickeln uns hin zum Omnikanal. Das führt zu einem riesigen kulturellen Wandel bei den Agenturen. Wir müssen ihnen zeigen, dass das eine Win-Win Situation ist oder eine Lose-Lose-Situation. Das die Versicherungen durch die Digitalisierung noch vor großen Herausforderungen stehen, bestätigt Michal Trochimczuk: “Die Versicherer haben keine Antworten auf die Wünsche der Kunden.”

Mehr als 200 Vertreter aus der Versicherungsbranche und von Dienstleistern aus elf Ländern trafen sich gestern im Warschauer Hotel InterContinental auf der Konferenz “Innovation in Insurance.” Unter den Gästen befanden sich unter anderem polnische, deutsche, britische, belgische und russische Versicherer. Neue Konkurrenten und aufsichtsrechtliche Anforderungen empfinden sie als ihre größten Herausforderungen. (ba)

Bildquelle: GDV

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