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Versicherer benötigen “kreativeres Anlageverhalten”

05.12.2016 – martin_lueck_akDie Risiken nehmen zu! Mit entsprechenden Folgen für die Branche. Die größte Herausforderung für das Anlageverhalten der Versicherer besteht für Martin Lück, Chef-Anlagestratege von BlackRock, daher “vor allem darin, kreativer zu werden”. Die Versicherer sollten daher “vom klassischen Anlageverhalten in Renten und Aktien”, abgehen, lautet seine Empfehlung im Exklusivinterview mit VWheuteTV.

Als wichtigsten Faktor für die Zukunft haben die Ökonomen das sich abzeichnende Ende der Niedrigzinsphase, ausgehend von der US-amerikanischen Zentralbank (FED), identifiziert. Doch sollte sich dieser Vorgang nicht schlagartig vollziehen, sondern muss als “soft landing” angekündigt und umgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund sah der Chef-Anlagestratege von BlackRock, Martin Lück, für Portfolio-Manager in den Versicherungsunternehmen eher Risiken aus dem Rentenanteil herauf ziehen denn ein Risikopotenzial aus dem Aktienportfolio. Wie die Versicherungswirtschaft konkret auf die gestiegenen Risiken hinsichtlich ihres Anlageverhaltens reagieren sollte und mit welcher Perspektive die Anlageprofis ihrerseits in das kommende Geschäftsjahr starten erläutert Lück anlässlich der GDV-Jahreskonferenz zum Generalthema Volkswirtschaft und Finanzmärkte:

Zur Zinspolitik der EZB sagte der GDV-Präsident Alexander Erdland:” Es wird in der Tat immer schwerer je länger das niedrige Niveau andauert. Wir werden nicht müde diese ultralockere Geldpolitik zu kritisieren und zwar nicht nur mit Blick auf unsere Geschäftsmodelle, sondern auch mit Blick auf die großen Gefahren für die Finanzmarktstabilität und mit Verweis auf die Umverteilungseffekte von Sparern hin zu Schuldnern, hin zu Immobilienbesitzern und Aktionären. Ich meine, wenn wir das noch lange so treiben lassen, ist dies höchst gefährlich, letztlich auch für die Altersvorsorgearchitektur und Struktur in unserem Land, das wird man später merken.” Das Geschäftsklima in Deutschland könnte zwar besser sein, aber vorsichtig optimistisch zeigte sich auch Erdland was die Erwartungen für 2017 anbelangt:

Beim Blick auf den Standort Deutschland fällt im internationalen Vergleich ein Leistungsbilanzüberschuss von neun Prozent, ein Wirtschaftswachstum von rund 1,3 Prozent, der kräftige Privatkonsum und ein Sockel von 43,5 Mio. sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen auf. Solche Vitaldaten können nicht viele Volkswirtschaften weltweit vorweisen.

Was dem Bundesfinanzminister seine “schwarze Null” im Haushalt und dem ganzen Land den Titel des Exportweltmeisters beschert. Deutschland also eine Insel der Glückseligen? Nein, dem mochten die weiteren Experten aus der Versicherungswirtschaft mit GDV-Präsident Alexander Erdland und Munich Re Chefvolkswirt Michael Menhart an der Spitze nicht zustimmen. Zu groß sind die internationalen Abhängigkeiten, als das sich die Branche und Bevölkerung über eine Sonderkonjunktur freuen könnten.

Den Blick ins europäische Ausland mit all seinen Unwägbarkeiten (Wahl in Österreich, Referendum in Italien, Wahlen wiederum in Frankreich und schließlich Deutschland) und seinen Einflussfaktoren auf den deutschen Markt lenkte Volker Wieland, Ökonom im Sachverständigenrat der Bundesregierung: “Deutschland ruht sich auf seinen Reformen aus”, so der Wirtschaftsfachmann in der abschließenden Podiumsdiskussion.

Als Worst-Case-Szenario sieht Wieland eine Eskalation in Italien, “egal wie das Referendum am Sonntag ausgeht”. Eigentlich müsste das Land schon jetzt unter den europäischen Rettungsschirm ESM, ist sich Wieland sicher. Auch eine Anhebung des Zinsniveaus sieht Wieland skeptisch, denn dann “könnte das ganze Bankensystem in Schieflage geraten”.

“Ist das Geschäftsmodell der Versicherungswirtschaft am Ende grundsätzlich in Gefahr?”, fragte Christoph Hardt, beim GDV verantwortlich für die Kommunikation in seiner Rolle als Moderator. Die Antworten von GDV-Chefvolkswirt Wiener und Munich Re-Chefvolkswirt Menhart im Video:

Die Jahreskonferenz Volkswirtschaft und Finanzmärkte des GDV war ein Erfolg und soll deshalb keine einmalige Veranstaltung bleiben. Alljährlich plant der Verband nun zum Jahresausklang in diesem Rahmen einen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr. Auch 2017 wieder am Standort München. (vwh/ak)

Bild: Martin Lück, Chef-Anlagestratege von BlackRock (Quelle: Alexander Kaspar)

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