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Versicherbarkeit: Überwindung von Grenzbereichen

27.05.2015 – Satellit_EADSDie makroökonomische Funktion der Versicherung soll der Transfer von Risiken sein. Eine Versicherung soll es dem Versicherungsnehmer ermöglichen, Risiken eingehen zu können, die sonst nicht tragbar wären. Gerade in der Industrie können solche Risiken gewaltige Dimensionen annehmen. Sie stellen auch die Risikoexperten der Versicherer vor enorme Herausforderungen.

In Grenzbereichen der Versicherbarkeit bewegen sich etwa Satelliten und Weltraumtechnik, ­Raketenstarts, 20.000 TEU fassende ­Containerschiffe, LNG-Tanker mit dem Potenzial eine ganze Küstenstadt einzuäschern, Off-Shore-Anlagen und Terrorrisiken.

In letzter Zeit sieht sich die Versicherungsbranche vermehrt dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Risikobereitschaft wachse nicht im Gleichschritt mit der zunehmend komplexen Weltwirtschaft. Sie enttäusche gar, was ihre Risikobereitschaft und -fähigkeit angeht. Zu denken ist etwa an Risiken, die neuen und somit unerprobten Technologien inhärent sind, an Terrorismus, Krieg und sonstige politische Risiken sowie an die zeitliche ­Befristung gewährter Deckungen durch Umstellung vom Verursachungs- auf das Schadenmelde-Prinzip (claims-made).

Die Versicherungswirtschaft beruft sich zu ihrer Verteidigung auf die Argumente Ungewissheit, fehlende Kapazität, nationale rechtliche Verbote und aufsichtsrechtliche Vorschriften.

Vor allem die fehlende Marktkapazität wird seitens der Versicherer immer wieder als Ablehnungsgrund angeführt. Dieses Argument ist jedoch nur noch bedingt gültig: Von einer limitierten Marktkapazität konnte nur solange die Rede sein, wie die Assekuranz weitgehend von anderen Finanzmärkten abgeschottet war, das heißt der Transfer von Versicherungsrisiken aus aufsichtsrechtlichen und Marktusance-Gründen lediglich im Bereich der Assekuranz möglich schien.

Seit über zehn Jahren jedoch haben sich Marktexterne immer weitergehend in Form von Risikoverbriefung, derivativen Kontrakten und Sidecar-Rückversicherern an eigentliche Assekuranzrisiken herangewagt. Diese branchenfremde Konkurrenz beschränkte sich bis vor kurzem lediglich auf die relativ einfach modellierbaren Cat-Deckungen, deren emittiertes Volumen bereits die 25 Mrd. Dollar-Schwelle überschritten hat.

Angesichts des zunehmenden Kapazitäts-Überangebots in diesem Bereich sind alternative Risikoträger immer mehr bereit, sonstige Risiken zu übernehmen, wenn sie nur ­ausreichend tarifiert erscheinen und möglichst nicht mit bereits im Portfolio befindlichen Risiken korrelieren. Das Argument, man stoße im Einzelfall an die Grenzen der Versicherbarkeit, dürfte daher in Zukunft immer ­weniger ­berechtigt sein. (cpt)

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Link: “Unmögliches, Unwägbares und Tabus Von den – verschiebbaren – Grenzen der Versicherbarkeit”, in: Versicherungswirtschaft 5/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

Bild: TV-Übertragungssatellit “DirecTV 15″ (Quelle: EADS) 

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