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Unternehmen verdrängen Cyber-Risiken

20.02.2014 – ITDer Handelsriese Rewe ist laut Medienberichten Opfer eines Hackerangriffs geworden. Demnach soll ein Unbekannter den privaten E-Mail-Account eines Aufsichtsratsmitgliedes gehackt und Daten entwendet haben, die im Unternehmen vertraulich behandelt wurden.  Der aktuelle Fall zeigt, wie groß die Gefahr von Cyber-Risiken mittlerweile geworden ist, dennoch fehlt häufig noch das Risikobewusstsein, wie Versicherungsexperten von Ace und Aon kritisieren.

Viele Unternehmen verdrängen Risiken, die ihnen durch Datenverlust drohen. Die Gefahren durch Hacker, Computerviren oder fahrlässige oder böswillige Fehlbedienung von IT-Anlagen würden durch immer komplexere Systeme enorm zunehmen. „Trotzdem haben die Unternehmen in Deutschland vielfach absolutes Vertrauen in ihre IT-Sicherheit“, sagt Nobert Vogel, EDV-Gutachter aus Berlin. Die IT-Abteilung habe hierzulande immer noch einen viel zu geringen Stellenwert: „Sie ist oft neben der Poststelle angesiedelt und hat keinerlei Draht zum Management.“

Viele Kunden glauben zudem, dass sie gegen Datenverlust in allen Fällen versichert seien. Dies ist aber oft nicht der Fall. Schutz gibt es in der Regel nur, wenn die Ursache für den Datenverlust eine versicherte Gefahr, wie Feuer oder Überschwemmung war. Stehen aber alle Räder still, weil die EDV-Anlage durch einen Hackerangriff lahmgelegt wurde, ist eine solche Betriebsunterbrechung in der Regel nicht versichert. Unternehmen sollten daher unbedingt ihr Risikopotenzial analysieren. „Kommt es nämlich zu einem Schaden, muss unter Umständen der Manager mit seinem Privatvermögen haften, wenn er möglichen Versicherungsschutz nicht intensiv geprüft hat“, warnt Markus English, Jurist und Manager Financial Lines bei der Ace Gruppe.

Der Beratungsaufwand für Versicherungsmakler ist bei Cyberpolicen derzeit noch sehr hoch. Das bestätigt Johannes Behrends von Aon Risk Solutions: „Selbst risikobewusste Kunden wollen vor allem wissen, wie weit sie bereits gegen Cybergefahren versichert sind.“ Aon erstellt dann eine Deckungsanalyse, zeigt an Fallbeispielen auf, welche Schäden möglich sind und empfiehlt Spezialisten, die IT-Sicherheit technisch unter die Lupe nehmen. „Bei Mittelständlern ist hier oftmals eine Woche Prüfarbeit notwendig“, sagt Gutachter Vogel. Den Aufwand bezifferte er mit 5.000 bis 10.000 Euro.
„Unsere Zielgruppe sind mittlerweile nur noch Kunden, die bereits ein Risikobewusstsein entwickelt haben“, sagt Jörg Spier, der bei der Ace Gruppe für Technische Versicherungen zuständig ist. Man könne bei der aufwändigen Beratung einfach nicht mit Unternehmen anfangen, die man zum Risikobewusstsein hintragen müsse. Grundsätzlich sei fast jede Cybergefahr versicherbar. „Es gibt genügend Kapazität auf dem Markt“, so Spier. Allein bei Finanzdienstleistern und Banken ist Ace zurückhaltend. Betrug, bei dem Geld elektronisch entwendet wird, sei bisher nicht versicherbar. (usk/vwh)

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