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Tschernobyl-Schäden deutlich höher als erwartet

26.04.2016 – atomkraftwerk_pixelioHeute vor 30 Jahren kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl zur nuklearen Katastrophe. In einer aktuellen Untersuchung von Forschern des Münchener Ifo-Instituts und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wurden die volkswirtschaftlichen Schäden der Reaktorkatastrophe neu berechnet. Danach beläuft sich der jährliche Wohlfahrtsverlust für die große Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung auf jährlich zwei bis sechs Prozent der Wirtschaftsleistung, erläutert Natalia Danzer, stellvertretende Leiterin des Ifo Zentrums für Arbeitsmarktforschung und Familienökonomik und Co-Autorin der Studie.

“Die negativen psychischen Langzeitfolgen wurden bislang nicht berücksichtigt. Wir haben sie jetzt in Geldwerte umgerechnet bei jenen 96 Prozent der ukrainischen Bevölkerung, die nicht einer medizinisch bedenklichen Strahlung ausgesetzt waren, sondern verunsichert und verängstigt waren und sind”, so Danzer weiter.

Diese Summen müssen hinzugerechnet werden zu den fünf bis sieben Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung, die die Ukraine ohnehin aufwendet, um das zerstörte Kraftwerk und die Umgebung zu sichern, zu dekontaminieren sowie um Betroffene zu entschädigen. Außerdem verlässt sich ein Teil der betroffenen Erwerbsbevölkerung stärker auf staatliche Unterstützung und bezieht finanzielle Geldleistungen in Höhe von 0,5 bis 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Nicht einbezogen in die Rechnung wurden psychische Folgen für jene vier Prozent der Bevölkerung in der Nähe des explodierten Kraftwerkes und die besonders belasteten Aufräumarbeiter. “Insofern ist unsere Schätzung wohl eher eine Untergrenze”, sagt Danzer. “Die Sorgen der Bevölkerung entstanden zu einem beträchtlichen Teil aus widersprüchlichem Handeln der Sowjetunion. Einerseits wurden staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Folgen der Katastrophe ergriffen, wie die Verteilung von Jod-Prophylaxe-Tabletten oder medizinische Kontrolluntersuchungen. Andererseits blockierte der Staat die Informations- und Aufklärungsarbeit. Diese Situation war ein idealer Nährboden für Gerüchte um die tatsächliche Gefahr und potenzielle Gesundheitsfolgen der Reaktorkatastrophe”, fügte sie hinzu. “Die Ergebnisse verdeutlichen die immense Bedeutung eines effizienten und glaubwürdigen Krisen- und Katastrophenmanagements von Regierungen.”

Zur Analyse wurden Daten einer repräsentativen Stichprobe der ukrainischen Längsschnittbefragung (Ukrainian Longitudinal Monitoring Survey, ULMS) der Jahre 2003, 2004 und 2007 herangezogen. Aus der Untersuchungsgruppe werden Personen ausgeschlossen, die nach dem Reaktorunfall geboren wurden. Außerdem wurden stark Betroffene wie Aufräumarbeiter und umgesiedelte Personen nicht berücksichtig. (vwh/ak)

Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

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