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Telematikdienste jenseits von Prämiennachlässen

17.03.2016 – Telematik_GDVVoraussetzung für den Erfolg von Telematiktarifen sind “überzeugende Nutzen” jenseits von Pay-as-you-drive, sind die Versicherungsexperten Janina Röttger und Pravar Gautam überzeugt. Entweder “als bezahlte Dienstleistung oder gratis im Tausch gegen das Nutzungsrecht an personenbezogenen Daten” könnten Versicherer hier punkten.

Bis hin zur Überwachung der Gesundheitsdaten der Autofahrer könnte das Spektrum demnach reichen. Bei beunruhigenden Werten aus Vitaldaten einer Smart Watch könnte beispielsweise seitens des Fahrzeuges die Empfehlung zum Stopp kommen. Darüber hinaus könnte – jenseits des “einfachen” Unfallsticks des GDV (siehe POLITICS) – ein Telematikdienst das Unfallgeschehen exakt analysieren. Der Schaden wäre mit Beschleunigungswerten und Aufprallpunkten somit noch vor dem Werkstattgutachten kalkulierbar. Im Interview mit VWheute gehen Janina Röttger, Sopra Steria Consulting, und Pravar Gautam, Scope Technologies, ins Detail.

VWheute: Wie lohnend sind die nötigen Investitionen für Kfz-Versicherer tatsächlich? Das PAYD-Potenzial ist hierzulande doch eher begrenzt.

Janina Röttger: Pay-as-you-drive allein rechtfertigt sicherlich noch keine signifikanten Telematik-Investitionen. Aber Telematik kann eben weit mehr, als nur Tarife an die Fahrweise anpassen. Denkbar sind etwa Services, die Kunden helfen, besonders verschleißarm zu fahren. Oder denken Sie an Tarife, die sich an der jeweiligen Verkehrssituation orientieren und automatisch günstiger werden, wenn der Fahrer den Berufsverkehr in der Innenstadt meidet. Ob sich ein Telematik-Service für die Versicherung ökonomisch sinnvoll darstellen lässt, hängt vor allem vom konkreten Kundennutzen ab.

Die kontextbasierte Echtzeitanalyse von Telematik-Daten erfordert Big-Data-Technologien, die bei den meisten Versicherungen nicht unbedingt zum Standard gehören. Wären hierfür On-Premise- oder Cloud-Lösungen die bessere Wahl?

Pravar Gautam: Fertige Lösungen aus der Cloud haben natürlich den Vorzug, dass ein Kfz-Versicherer seinen telematischen Service deutlich schneller auf den Markt bringen kann als bei Aufbau und Betrieb einer entsprechenden Plattform in Eigenregie. Außerdem sind additive Telematik-Dienste für die meisten deutschen Versicherungen Neuland, so dass sie bei Cloud-Lösungen auch von erprobten Service-Modellen im Sinne einer Best Practice profitieren.

VWheute: Noch hält sich die deutsche Versicherungsbranche beim Thema Telematik ziemlich bedeckt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Janina Röttger: Dafür gibt es viele Gründe: So steht bei telematischen Erhebungen immer auch die Frage der Datenhoheit im Raum. Transparenz heißt hier das oberste Gebot. In der Regel erlauben Kunden die Nutzung ihrer Daten umso bereitwilliger, je unmittelbarer der Mehrwert einer Telematik-Dienstleistung für sie erlebbar ist. Vor allem aber scheint das Potenzial additiver Telematik-Dienste in Deutschland noch nicht hinreichend bekannt zu sein. Für Kfz-Versicherer geht es hierbei nicht nur um ein kurzfristiges Zusatzgeschäft, sondern um die Chance auf dauerhafte Kundennähe.

VWheute: Sitzen die Autobauer bei versicherungsnahen Telematik-Angeboten über ihre Finanzdienstleistungstöchter nicht am längeren Hebel als angestammte Kfz-Versicherer?

Janina Röttger: OEMs sind zweifellos eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Versicherungsbranche. Aber nicht nur sie. Auch viele Start-ups und Technologieriesen wie Google haben längst einen Fuß im Markt. Umso wichtiger wird es für klassische Versicherer, ihr traditionelles Geschäftsmodell zu überdenken und eine Antwort auf die Digitalisierung der physischen Mobilität zu geben. So gesehen führt für Kfz-Versicherer an kontextbasierten Telematik-Diensten auf Dauer kein Weg vorbei.

VWheute: Wie sollte eine technische Lösung dafür aussehen?

Pravar Gautam: Für den Fahrzeughalter so einfach wie möglich: Devices sollten klein, smart und per Plug and Play installierbar sein. Daten müssen einfach und transparent nachvollziehbar sein, insbesondere wenn auf dieser Grundlage tarifiert wird. Eine umfassende und ganzheitliche Lösung muss die Fragen der Logistik ebenso beantworten, wie die Bereitstellung zugehöriger Analysetechnologie und das unter Berücksichtigung eines maximalen Kundenservices.

Die Qualität und schnelle Verfügbarkeit der Auswertungsergebnisse sorgt für die entscheidenden Kundenmehrwerte eines Telematik-Service von Morgen und damit für die Chance auf wahrnehmbare Alleinstellungsmerkmale. Kenntnisse und Expertise aus anderen Märkten stellen hierbei sicher, dass Kundenbelange auch technologisch umgesetzt werden können in einer globalen Welt.

Bildquelle: GDV

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