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„Statt Spartendenken ist Vernetzung gefragt“

22.09.2014 – Frank_Plechinger_MSGDie Versicherungswirtschaft kann nach Ansicht von Frank Plechinger, Vorstandsmitglied beim Münchener IT-Beratungsunternehmen MSG, „von der Digitalisierung enorm profitieren“. Jedoch sei die Branche noch am Anfang der Entwicklung und das Digitalisierungstempo „relativ niedrig“. Wie sich Unternehmen organisieren müssen, um vom digitalen Wandel zu profitieren, berichtet er im Interview mit VWheute.

VWheute: Die digitale Transformation stellt Geschäftsmodelle und Prozesse bei den Versicherern auf den Prüfstand. Wie weit ist die Versicherungswirtschaft, und was kann sie von anderen Branchen lernen?

Frank Plechinger: Die Versicherungsbranche kann von der Digitalisierung enorm profitieren, allerdings steht sie aktuell noch am Anfang der Entwicklung und das Digitalisierungstempo ist noch relativ niedrig. Andere Branchen, etwa im Telekommunikationsumfeld und natürlich der gesamte E-Commerce-Sektor, weisen den Weg: zum Beispiel mit Multikanal-Kundenkommunikation, vernetzten Produkten und individualisierten Angeboten.

Wie müssen sich die Unternehmen organisieren, um vom digitalen Wandel zu profitieren?

Der Ausbau der webbasierten Kommunikationskanäle mit Online-Beratung und Kontaktmöglichkeiten über soziale Netzwerke ist eine zentrale Anforderung an Versicherer. Zukünftig geht es weniger um Kundengruppen, als um den Kunden direkt. Aber das allein genügt bei weitem noch nicht. Die Digitalisierung betrifft die gesamte Wertschöpfungskette der Unternehmen – von der Produktentwicklung bis hin zur Schadensverwaltung und den entsprechenden Um-/Crosssystemen. Hier müssen sich die Versicherer konsequent an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten und viel flexibler als bislang agieren. Statt Spartendenken sind Vernetzung und Kollaboration gefragt. Auch neue Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung des Marktes und der Kunden erfordern auf der IT-Ebene dafür die entsprechenden Voraussetzungen. Spartenübergreifende, moderne Systeme und durchgängig automatisierte End-to-End-Prozesse sind hier die Herausforderungen der Zukunft, die bereits heute beginnt.

Welche Innovationen bringen die Branche voran und welche neuen Geschäftsfelder, Produkte und Services resultieren daraus?

Serviceorientierte Architektur und Web-Technologien bilden die Voraussetzung für innovative Lösungen zur durchgängigen Optimierung von Prozessen – etwa der Schadenabwicklung. Zusammen mit Big-Data-Analytics-Lösungen ermöglichen sie individualisierte Tarife nach persönlicher Risikolage und vernetzte Produkte. Beispielsweise können Versicherer in Kooperation mit Reiseanbietern automatisch ein passendes individuelles Versicherungspaket anbieten, sobald ein Kunde einen Tauch- oder Skiurlaub bucht. Andere Innovationen betreffen zum Beispiel Optimierungen der Backoffice-Prozesse oder nutzen Klima- oder Geodaten für das Risikomanagement. Ein ganz besonderes Augenmerk wird dabei auf dem digitalen Datenaustausch zwischen den Kunden und den Versicherungsunternehmen, den Versicherungsunternehmen untereinander und vor allem, im Sinne von Big Data, auf der Vernetzung und Digitalisierung mit dem und im Internet liegen.

Die Fragen stellte VW-Redakteurin Katja Schuld.

Foto: Frank Plechinger ist Mitglied des Vorstands der MSG Systems AG und  dort unter anderem für den Geschäftsbereich Products & Development zuständig. (Quelle: MSG)

Hinweis: Heute beginnt in München die Insurance Conference Inscom unter dem Motto „Digital Innovation“. Themenschwerpunkte sind der Einsatz von Standardsoftware, Telematik, digitale Transformation, Vertriebssteuerung und Outsourcing. Als Referenten werden unter anderem Bettina Anders, Ergo, Ralf Schneider, Allianz, und Giuseppe Mascolino, BMW, erwartet. Die Konferenz dauert bis einschließlich Dienstag. An diesem Tag wird auch erstmalig der „i3-Award – Innovationspreis für Versicherer und Hochschulen“ verliehen.

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