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S&P sieht noch kein schnelles Ende der Euro-Krise

11.12.2014 – moritz_kraemer_s&pVon VWheute-Korrespondent Reinhold Müller.

Zu einer der größten Unsicherheitsfaktoren bei der Kreditwürdigkeits-Beurteilung europäischer Staaten zählt aus Rating-Sicht mittlerweile, “dass der soziale Konsens in den EU-Länder zunehmend schrumpft”. Die Gefahr gehe dabei weniger vom Erstarken populistischer Kräfte aus, sondern davon, „dass sich die etablierten Parteien an solche Strömungen anpassen“. Das erklärte Moritz Krämer, Managing Director und Chief Rating Officer Sovereign Ratings von Standard & Poor’s (S&P) Deutschland. Großbritannien sei dafür nur ein Beispiel.

Vor allem eine nachhaltige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und der wirtschaftlichen Leistungskraft in den Problemstaaten sei ökonomisch notwendig, um deren chronischen Leistungsbilanzdefizite zu beseitigen. Fiskalische Probleme dort spielten beim Rating von Staaten im Vergleich dazu eher eine untergeordnete Rolle, gab er einen Einblick in die Gewichtung der Beurteilungskriterien von S&P.

Deshalb zeigte sich Krämer auch gegenüber den Erholungstendenzen beispielsweise in Spanien oder Portugal skeptisch. Die Verbesserung in den Außenwirtschaftsbeziehungen sei dort bisher ausschließlich im Handel mit Drittländern erzielt worden, aber nicht gegenüber den wirtschaftlichen starken EU-Ländern wie Deutschland oder Holland. Dadurch habe sich auch die Position der EU insgesamt als weltweit größter Gläubiger sogar noch vergrößert, während sich die innergemeinschaftlichen Verwerfungen gleichzeitig eher noch ausgeweitet hätten.

Da die Politik und die Finanzaufsicht in Europa außerdem – anders als beispielsweise in den USA praktiziert – den Banken keine “aggressive Bilanzbereinigung” vorschreibe, es kaum Wirtschaftswachstum gebe und auch keine Inflation, seien die Probleme eigentlich “nicht zu lösen”. Der Erholungsprozess werde daher voraussichtlich “noch viele Jahre dauern”, zumal nun auch große EU-Länder wie Frankreich und Italien massiv betroffen seien.

Insgesamt gewinnen politische Einflussfaktoren in den Analysen von S&P zunehmend an Gewicht, macht Kraemer außerdem deutlich. Das gelte natürlich nicht minder mit Blick auf die wachsende Anzahl geopolitischer Risiken wie beispielsweise der Krise in der Ukraine oder durch die Bedrohung durch islamistische Extremisten. Politische Einflussnahme auf die Urteile der Rating-Agenturen andererseits, wie sie zuweilen vor allem mit Blick auf deren Sitz in den USA unterstellt werden, schloss er aus. Zugleich ließ er jedoch anklingen, dass sich die Rating-Agenturen zwischenzeitlich nicht zuletzt durch regulatorische Vorgaben und unter dem Aspekt der Wettbewerbsintensivierung ihrerseits doch auch mit neuen und sehr subtilen politischen Einflüssen konfrontiert sehen.

So verwies er darauf, dass die EZB neben den schon “klassischen” Rating-Anbietern Moodys, S&P sowie Fitch zusätzlich die kanadische DBRS, Inc. gelistet habe. Die sei nach den bisherigen Beobachtungen bei den Länderratings jedoch oft zu eher positiveren Urteilen gekommen als die Konkurrenz – und in ihrem eigenen Handeln orientiere sich die EZB grundsätzlich immer am günstigsten Ratingergebnis. (rem)

Bild: Moritz Krämer (Quelle: S&P)

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